Scalable Capital sammelt seit nicht einmal zwei Jahren Geld von Kunden ein – und hat sich schon zum Marktführer unter den deutschen Robo-Beratern hochgearbeitet. Erik Podzuweit arbeitete als Derivate-Profi bei Goldman Sachs und war Deutschlandchef des Online-Möbelhauses Westwing, bevor er Scalable mitgründete.

Herr Podzuweit, welche Schäden könnten fehlerhafte Algorithmen bei Robo-Beratern zur Folge haben?

Erik Podzuweit: Software und Algorithmen werden bei Online-Vermögensverwaltern entlang der gesamten Wertschöpfungskette eingesetzt – von der Geeignetheitsprüfung über die Produktauswahl bis hin zur Asset-Allokation. Fehlerhafte Eingabedaten oder Fehler in der Software beziehungsweise in den Algorithmen selbst können entsprechend negative Konsequenzen haben, falls sie nicht abgefangen werden. Beispiele hierfür sind eine falsche Einstufung der Geeignetheit, die Auswahl eines inferioren Produktes oder eine Portfoliogewichtung, die nicht den Anlagerichtlinien oder dem Anlageziel entspricht.

Was tut Scalable, um Technik und Algorithmen zu kontrollieren?

Podzuweit: Generell lässt sich sagen, dass Software im Allgemeinen und Algorithmen im Speziellen bei der Ausführung von komplexen sowie repetitiven Prozessen deutlich weniger Fehler machen als Menschen. Im Gegensatz zu menschlichen Anlageentscheidungen können algorithmische Entscheidungen der Vergangenheit sowie deren Zustandekommen vollständig repliziert werden. Mögliche Fehler können so systematisch analysiert und korrigiert werden – ein klarer Vorteil gegenüber menschlichen "Bauchentscheidungen". Um niedrige Fehlerquoten zu gewährleisten, müssen sowohl die Eingabedaten, die Software, die Algorithmen selbst als auch die Ergebnisse fortlaufend überprüft werden.

Wie verläuft die Überprüfung bei Scalable? Und spielt dabei der Faktor Mensch noch eine Rolle?

Podzuweit: Eingabedaten wie Marktdaten oder Positions- und Bewegungsdaten der Depotbank werden automatisiert durch Software sowie stichprobenartig durch Menschen in unserem Investmentteam auf Vollständigkeit und Plausibilität geprüft. Bei der Programmierung der Software setzen wir auf Best-Practice-Verfahren der Softwareentwicklung, das heißt jeder Code wird im Vier- und bei wichtigen Codes mindestens im Sechs-Augen-Verfahren freigegeben. Kein Entwickler kann Änderungen ungeprüft für die Produktionsumgebung freigeben. Außerdem überprüfen auch automatisierte Tests den Code auf Fehler.

Und wie greift der Mensch in die Asset-Allocation-Entscheidungen ein?

Podzuweit: Die von unserer Technologie generierten Handelssignale, also die Empfehlungen zur Optimierung der Portfolios, werden zum einen durch eine weitere Kontrollsoftware überprüft, beispielsweise hinsichtlich der Frage, ob die Vorschläge die Anlagerichtlinien einhalten. Des Weiteren findet ein menschlicher Plausibilitätscheck der generierten Handelssignale statt. Der eigentliche Handel, also die Ausführung der Wertpapieraufträge, findet durch unser Investmentteam statt, das die Orders überprüft, bündelt und schließlich an unsere Depotbanken weitergibt. Damit stellen wir sicher, dass es immer eine menschliche Kontrollinstanz gibt, die allerdings nicht aktiv in das Portfoliomanagement eingreift, sondern das System überwacht, prüft und weiterentwickelt.

Wie stehen Sie zu einer möglichen Pflicht für die Robo-Adviser, ihre Algorithmen zu veröffentlichen?

Podzuweit: Transparenz ist in der Vermögensverwaltung sehr wichtig, denn es handelt sich um eine Dienstleistung, die viel Vertrauen vom Kunden bekommt. Wir veröffentlichen deshalb ein umfangreiches Whitepaper zu unserer Anlagemethode und halten Informationsabende und Webinare ab, bei denen wir detailliert Rede und Antwort stehen. Eine Veröffentlichung des konkreten Software-Codes ist aus Wettbewerbsgründen nicht möglich. Sollte es in Europa künftig möglich sein, Software ähnlich wie in den USA patentrechtlich schützen zu lassen, wäre die Situation durchaus anders.

Vielen Dank für das Gespräch. (mh)


Die Europäische Union arbeitet an neuen Haftungsregeln für künstliche Intelligenzen, von denen auch Robo-Berater betroffen sein könnten. Einen ausführlichen Artikel zu diesem Thema lesen Sie in der soeben erschienenen Heftausgabe 3/2017 von FONDS professionell. Angemeldete KLUB-Mitglieder können den Artikel auch hier im E-Magazin lesen