Das Münchner Fintech Scalable Capital hat in einer Finanzierungsrunde 150 Millionen Euro (gut 180 Millionen US-Dollar) eingesammelt. Größter Geldgeber dieser jüngsten Finanzspritze ist der Technologiekonzern Tencent, der den chinesischen Messenger-Dienst Wechat betreibt, aber unter anderem auch an der Berliner Smartphone-Bank N26 beteiligt ist.

Insgesamt hat Scalable damit über 260 Millionen Euro (rund 320 Millionen Dollar) bei Geldgebern eingesammelt, wie das Unternehmen mitteilt. Interessanter ist aber eine andere Zahl: Mittlerweile wird das Start-up mit 1,4 Milliarden Dollar bewertet – und darf sich damit bei den deutschen "Einhörnern" einreihen. Zuletzt hatten andere junge Fintechs wie Trade Republic oder Wefox die magische Milliarden-Marke geknackt.

Enormer Wachstumskurs
Das frische Geld will Scalable nutzen, um sein Wachstum voranzutreiben. Das Start-up ging vor gut fünf Jahren als Robo-Berater an den Markt, vor einem Jahr folgte ein Brokerage-Angebot. Eigenen Angaben zufolge beschäftigt das Unternehmen inzwischen gut 230 Mitarbeiter und betreut über vier Milliarden Euro von mehr als 250.000 Kunden. Ende dieses Jahres soll die Zahl der Angestellten schon bei 400 liegen, sagte Co-Chef Erik Podzuweit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Zum Vergleich: Ende 2020 beschäftigte das Unternehmen noch 140 Frauen und Männer.

"Als nächstes planen wir die Einführung des Derivatehandels", sagt Podzuweits Geschäftsführer-Kollege Florian Prucker. "Wir werden unsere Mission fortsetzen, jede und jeden zu einer Investorin beziehungsweise zu einem Investor zu machen." Außerdem stehe die Expansion in weitere Auslandsmärkte auf dem Programm: "Im zweiten Halbjahr wollen wir auch aktiv nach Frankreich, Spanien und Italien expandieren", zitiert die FAZ Podzuweit.

"Langfristig können wir uns einen Börsengang vorstellen"
Nach der jüngsten Finanzierungsrunde teilen sich die Anteilseigner Podzuweit zufolge in drei etwa gleich große Gruppen auf: Der US-Vermögensverwalter Blackrock halte ein Drittel der Anteile, ein weiteres Drittel liege bei den Gründern und Mitarbeitern. Den Rest steuerten verschiedene Wagniskaptialgeber bei, darunter nun Tencent mit 6,5 Prozent. "Langfristig können wir uns einen Börsengang vorstellen, aber nicht in den nächsten ein, zwei Jahren", so Podzuweit laut FAZ. (bm)