Ob cholerische Chefs oder manipulative Kollegen: Wer am Arbeitsplatz gemobbt wird, leidet oft jahrelang, verliert den Spaß an seiner Tätigkeit und kündigt nicht selten irgendwann, um sich der Situation zu entziehen. Doch das muss nicht sein. Betroffene können gegen Terror im Büro vorgehen, weiß Paul-Benjamin Gashon, Rechtsanwalt mit dem Schwerpunkt Arbeitsrecht bei der Kanzlei Korten Rechtsanwälte mit Sitz in Hamburg. "Es gibt Mittel und Wege, sich zu wehren. Ständige Schikane, Beleidigungen oder Drohungen muss im Arbeitsalltag keiner ohnmächtig ertragen", sagt Gashon.

Dem Anwalt zufolge sind Konflikte in der Arbeitswelt zwar normal. Nicht jede Kritik oder harsche Bemerkung gehört auf die Goldwaage. Doch wenn Streitigkeiten zur Regel werden und ein Mitarbeiter über längere Zeit hinweg ständig in der Schusslinie steht, stimmt etwas mit der Unternehmenskultur nicht. In solchen Fällen sollten sich Betroffene an den Betriebsrat oder die zuständige Gewerkschaft wenden.

Die Reißleine ziehen
Arbeitsrechtler Gashon sagt: "In jedem Fall obliegt es dem Arbeitgeber, dem nachzugehen und falls erforderlich diskriminierendes Verhalten durch arbeitsrechtliche Maßnahmen zu unterbinden." So kann der Chef zunächst versuchen, das Mobbing durch Rügen und Abmahnungen zu beenden. Falls das nicht hilft, kann er die Reißleine ziehen und dem Mobber kündigen.

Tun Arbeitgeber nicht alles in ihrer Macht Stehende, um Ausgrenzung, Belästigung und Verleumdung in ihrer Firma zu unterbinden, verletzen sie ihre Fürsorgepflicht – und können dafür juristisch belangt werden. Allerdings ist zumindest in Deutschland nach jetzigem Stand weder Mobbing noch Schikane vom Chef ein eigener Straftatbestand.

Wer klagen will, muss Beweise sammeln
"In der bisherigen Rechtsprechung muss daher nicht nur eine Täter-Opfer-Konstellation vorliegen", erklärt Gashon. "Es gilt auch, nachzuweisen, dass sich das Verhalten über einen längeren Zeitraum kontinuierlich fortsetzt, systematisch und zielgerichtet ist und die Verletzung des Persönlichkeitsrechts oder der Gesundheit bezweckt." Dafür müssen Betroffene Mobbing-Attacken genau dokumentieren, etwa in Form eines Tagebuchs, in das auch Beweismittel wie fiese E-Mails gehören. (fp)