Die Schweiz will in Sachen Fintech regulatorische Pionierarbeit leisten, wie das Brachenportal "Finanz und Wirtschaft" berichtet. Bis jetzt fallen die Finanztechnologie-Unternehmen als Teil des Bankwesens in den Aufsichtsbereich der eidgenössischen Behörden. Für Fintechs könnten die relativ hohe Anforderungen, die das Bankgesetz an die Bewilligungserteilung stellt, eine "deutliche Markteintrittshürde" darstellen und sich als Innovationskiller erweisen, schreibt der Schweizer Bundesrat in einer Mitteilung. Damit soll bald Schluss sein. Der Bundesrat will unter anderem einen bewilligungsfreien Raum schaffen, der im internationalen Vergleich einmalig wäre.

Die neue Schweizer Fintech-Regulierung, die das Finanzdepartement seit Ende April ausgearbeitet hat, fußt auf drei Säulen:

  1. Crowdfunding-Plattformen standen bisher vor dem Problem, dass sie eine Banklizenz benötigten, wenn sie Einlagen von mehr als 20 Kunden über sieben Tage lang auf einem Abwicklungskonto verwahren wollten. Nun gilt eine Frist von 60 Tagen für Abwicklungskonten – diese Verordnung tritt sofort in Kraft.
     
  2. Die bisher geltende "20er-Regel" wird stark aufgeweicht. Künftig dürfen uneingeschränkt viele Publikumseinlagen bis zu einem Gesamtwert von einer Million Schweizer Franken entgegengenommen werden. In diesem Rahmen werden die Unternehmen nicht von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) kontrolliert. Dieser bewilligungsfreie Raum ("Sandkasten") sei im internationalen Vergleich der großzügigste.
     
  3. Wenn ein Fintech aus dem "Sandkasten" hinauswächst, soll es künftig eine spezielle Fintech-Lizenz erhalten. Das Unternehmen muss sich dazu auf das sogenannte Passivgeschäft – die Entgegennahme von Publikumseinlagen – beschränken. Die Einlagen dürfen den Wert von 100 Millionen Franken (knapp 93 Mio. Euro) nicht überschreiten, nicht verzinst und nicht angelegt werden. Die Kreditvergabe bleibt Banken mit der entsprechenden Lizenz vorbehalten. Das Mindestkapital der Fintechs beträgt fünf Prozent der Publikumseinlagen, mindestens jedoch 300.000 Franken (rund 280.800 Euro).

"Wir wollen zu den wichtigen Finanzplätzen in diesem Bereich gehören", sagt Bundesrat Ueli Maurer. Daher solle die Branche "ein wichtiger Bestandteil der Finanzpolitik sein". (mb)