Banken und Vermögensverwalter in der Schweiz hatten Milliarden Schweizer Franken an Vertriebs- und Bestandsprovisionen, sogenannte Retrozessionen, zu Unrecht einbehalten. Nach einem Bundesgericht-Urteil von November 2012 müssen sie Vermögensverwaltungskunden das Geld jedoch zurückzahlen. Bislang tut sich allerdings wenig, berichtet die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ). Die Geldhäuser spielen offenbar auf Zeit: Zurückgeflossen ist bisher kaum etwas – und viele Forderungen geprellter Investoren sind mittlerweile verjährt.

Sammelklagen sind in der Schweiz nicht möglich. Banken hätten oft versucht, Privatkunden, die auf eigene Faust auf Herausgabe der Provisionen geklagt hatten, mit kleineren Summen abzuspeisen, zitiert die NZZ Anwalt Albrecht Langhart von der Kanzlei Blum & Grob Rechtsanwälte. Hartnäckigen Kunden seien Rückzahlungen für die vergangenen fünf Jahre angeboten wurden, mit dem Hinweis, dass der Anspruch darauf laut Fachleuten nach fünf Jahren verjährt sei.

Kampf gegen die Zeit
Die Verjährungsfrist könnte den Schweizer Instituten noch auf die Füße fallen. Im Juli dieses Jahres hat nämlich das Schweizer Bundesgericht entschieden, dass Ansprüche wie jene im Provisionsstreit erst nach zehn statt nach fünf Jahren verjähren. Dieser Einschätzung hatten banknahe Anwälte stets widersprochen. Die Zeit arbeitet trotzdem gegen die Geschädigten: Viele Provisionen flossen vor, während oder kurz nach Eskalation der Finanzkrise im Jahr 2008. (fp)