Service-KVG-Gründer: "Dann flippen die Vertriebstruppen aus"
Das White-Label-Geschäft mit Fonds scheint zwischen etablierten Akteuren verteilt. Doch mit Chartered Investment aus Düsseldorf hat ein neuer Spieler das Feld betreten. Wie das Haus gegen die große Konkurrenz bestehen will, erläutert Justiziar David Eckner im Interview.
Im Markt für White-Label-Fonds haben sich Namen wie Universal Investment, Hansainvest oder Axxion einen festen Platz errungen. Doch mit der Düsseldorfer Gesellschaft Chartered Investment tritt ein neuer Akteur an. Das Haus teilte im Januar mit, dass die Tochter Opus Prime die Lizenz für das Geschäft als Service-Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) erhalten habe. Die Chartered-Investment-Gruppe ist bislang vor allem im Bereich der Verbriefungen aktiv. Justiziar David Eckner erläutert im Interview, wie sein Unternehmen als kleiner Neuling gegen die etablierten Größen punkten will.
Herr Eckner, im europäischen Fondsmarkt gibt es bereits zahlreiche Service-Kapitalverwaltungsgesellschaften. Ist da überhaupt noch Platz für einen weiteren White-Label-Anbieter?
David Eckner: Neugründungen von Service-KVGen sind wirklich recht selten. In Deutschland gibt es fast 140 voll zugelassene KVGen. Darunter sind viele Spezialanbieter, die sich auf eine Anlageklasse wie Immobilien konzentrieren. Wenn man solche Häuser abzieht, bleiben vielleicht noch 30 Häuser, die wirklich alle Anlageklassen bedienen. Davon bleiben wiederum ein gutes halbes Dutzend Platzhirsche, die den Markt unter sich aufteilen. Danach kommt lange nichts. Sich in einen oligopolähnlichen Markt hineinzuwagen, stellt zugegeben ein enormes Vorhaben dar. Und ehrlicherweise hat niemand auf die 31. Service-KVG gewartet. Aber wir sehen eine Nische.
Welche?
Eckner: Das möchte ich anhand einer Anekdote zeigen: Ein Geschäftsführer eines mittelständischen Vermögensverwalters, der rund 150 Millionen Euro für seine Kunden in Fonds betreut, berichtete mir, dass er nach einer bereits sechs Jahre währenden Geschäftsbeziehung von seiner Service-KVG nun das erste Mal ein Jahresgespräch angeboten bekommen hat. Das zeigt: Man muss schon ein großer Anbieter sein, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Wir richten uns daher auch an Häuser, die für kleinere und mittlere Volumen eine Fondslösung suchen. Über die Plattform, die wir aufbauen, wollen wir solchen Anbietern zu Skaleneffekten verhelfen. Aber natürlich ist das nicht die einzige Nische: Wir haben eine besondere, technologieaffine Wertschöpfungskette aufbauen können.
Aber bislang hat Ihr Unternehmen noch keine Fonds aufgelegt.
Eckner: Ja, wir fangen praktisch vom Reißbrett an. Aber unsere Gruppe hat seit 2013 zahlreiche Inhaberschuldverschreibungen sowie Verbriefungen über luxemburgische Verbriefungsgesellschaften emittiert. Diese sind an einen Index gebunden oder bilden bestimmte Anlagestrategien ab. Wir betreuen nunmehr ein Volumen von gut neun Milliarden Euro. Unsere Aktivitäten liegen dem Fondsgeschäft so nahe, dass dies für uns nur noch einen vergleichsweise kleinen Schritt darstellt.
Welche Formen eines Fonds wollen Sie anbieten?
Eckner: Für den Moment konzentrieren wir uns auf offene Investmentvermögen. Perspektivisch widmen wir uns auch dem geschlossenen Umfeld. Den institutionellen Bereich wollen wir mit Spezialfonds sowie den Publikumsmarkt mit OGAWs ansprechen. Das umfasst auch die börsengehandelte Variante, also den ETF. Diese Produkthülle werden wir in der jetzigen, ersten Lebensphase unserer Gesellschaft vorrangig ausrollen. Für diesen Produktkatalog bieten wir eine umfassende Wertschöpfungskette an.
Was umfasst diese konkret?
Eckner: Mit der Tochtergesellschaft Lixx findet sich ein Indexanbieter in unserer Gruppe. Dementsprechend sind wir bei Indexfonds eine Art One-Stop-Shop. Ein Initiator muss also nicht erst bei den Index-Riesen anklopfen, sondern bekommt bei uns alles aus einer Hand. Obendrein ist unter unserem Dach mit der E-Sec noch ein Kryptowertpapierregisterführer angesiedelt. Damit wird bei uns auch die Tokenisierung von Fondsanteilen ein Thema. Und wenn sich ein tokenisierter ETF am Horizont abzeichnet, flippen die Vertriebstruppen förmlich aus. Denn das ist bei der jungen Generation gefragt.
Mit diesem Angebot werden Sie den Großen etwas entgegensetzen können?
Eckner: Das Lied über David und Goliath wollen wir gar nicht anstimmen. Wir sind vielmehr der Meinung, mit effizienten Prozessen, viel Agilität und vernünftigem Opportunismus, als schnelle und zuverlässige Service-KVG einen festen Marktanteil etablieren zu können. Die Idee des Kunden soll im Vordergrund stehen, weniger langwierige Entscheidungsprozesse. Zudem signalisieren einige unserer Bestandskunden, dass sie an einem Wechsel aus einer Verbriefung oder einer Inhaberschuldverschreibung in einen Fonds Interesse hegen. Als Dienstleister stehen wir ihnen zur Seite und gehen dorthin mit, wo die Kunden hinwollen – sei es ein Publikumsfonds, ein Spezialfonds oder ein aktiver oder passiver ETF.
Vielen Dank für das Gespräch. (ert)















