Maximilian Tayenthal, Co-Gründer und Co-Chef von N26 hat eingestanden, dass die Smartphonebank im Rahmen ihrer Präventionsmaßnahmen gegen Geldwäsche und andere illegale Aktivitäten übers Ziel hinausgeschossen ist. Das Berliner Fintech mit österreichischen Wurzel machte auch Konten von Kunden dicht, die sich gar nichts zuschulden hatten kommen lassen. Das berichtet das "Handelsblatt". Betroffen seien mindestens 60 Vertragsnehmer, hauptsächlich aus Deutschland, aber auch aus Belgien und Italien. Die Entschuldigung nutzt aber nichts: Einmal geschlossene Konten können nicht mehr geöffnet werden.

Die Zeitung verweist auf einen Beitrag Tayenthals auf dem Karrierenetzwerk Linkedin. Dort erklärt er, dass man zur Gewährleistung der Sicherheit der N26-Plattform auf null Toleranz bei Finanzkriminalität setze und neueste Technologien zur Erkennung und Verhinderung von Betrug einsetze. Bei einer der neuen Maßnahmen, die am 14. April gestartet sei, wurde "leider eine Reihe von Konten fälschlicherweise geschlossen", hieß es dort weiter. "Ich kann mir vorstellen, wie stressig und frustrierend eine unerwartete Situation wie diese sein muss, und ich möchte mich bei den Kunden, die davon betroffen sind, aufrichtig entschuldigen", schrieb Tayenthal.

Kampf gegen Geldwäsche & Co.
N26 musste sich in den vergangenen Tagen viel Kritik anhören. Die Neobank hatte Kundenkonten gesperrt, ohne die Besitzer rechtzeitig und umfassend über die Gründe zu informieren. Diese hatten dann Ihrem Ärger auf sozialen Medien freien Lauf gelassen. Die Vollbank schob dann später eine Erklärung hinterher. Jede Bank habe die wichtige Verpflichtung, gegen Finanzkriminalität vorzugehen – N26 sei da keine Ausnahme, heißt es in der Mitteilung. "N26 ist rechtlich dazu verpflichtet, jegliche verdächtige Aktivitäten in Form einer Verdachtsanzeige an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zu übermitteln", erläutert das Institut weiter. 

Ferner beteuert die Neobank, sie werde "weiterhin verstärkt in Maßnahmen investieren, um Online-Betrug und Finanzkriminalität im digitalen Raum zu bekämpfen. Genau aus diese Gründen war N26 mehrfach ins Visier der Finanzaufsicht geraten, weil es hier Mängel gab. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hatte daher auch die Neukundenzahl limitiert und zwei Aufpasser in das Institut geschickt. Die italienische Aufsicht hatte gar einen Neukundenstopp verhängt. (jb)