Signal Iduna Asset Management (AM) kooperiert für eine neue Geldanlageplattform mit dem Berliner Fintech Growney. Über das Portal können sich die Kunden von mehr als 900 Signal-Iduna-Vertretern vollautomatisiert online beraten lassen. Ihr Geld landet je nach Risikostufe in einem von fünf Portfolios, die mit acht aktiv gemanagten Fonds der konzerneigenen Kapitalverwaltungsgesellschaft Hansainvest bestückt werden. Einmal im Jahr wird das Fondsportfolio so angepasst, dass es seiner Zielzusammensetzung entspricht (Rebalancing).

"Ziel war es, unser Modell einer persönlichen Beratung zeitnah mit einer innovativen, digitalen Komponente zu erweitern", sagte Frank Leinemann, zuständiger Geschäftsführer der Signal Iduna Asset Management, im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE. "Wir sind zuversichtlich, dass die Plattform im Mai an den Start gehen kann."

"Die meisten Kunden benötigen eine echte Anlageberatung"
Der Robo-Berater wird zunächst auf den Internetseiten der derzeit 911 vertraglich gebundenen Vermittlern zu finden sein, die sich dem Haftungsdach der Signal Iduna AM angeschlossen haben. "Hat ein Online-Kunde Fragen oder benötigt er Hilfe, kann er sich jederzeit direkt an den Berater wenden", betont Leinemann.

Anders als bei vielen anderen Robo-Beratern handelt es sich bei dem neuen Produkt nicht um die schlichte Vermittlung eines Fondsportfolios, sondern um eine "echte" Anlageberatung – mit allen Abfragen und Erläuterungen, die zu einem solchen Prozess dazugehören. "Mit dem Angebot einer Online-Anlageberatung wollen wir uns bewusst von den Wettbewerbern abgrenzen", sagt Leinemann. "Wir sind überzeugt davon, dass die meisten Kunden eine echte Anlageberatung benötigen, insbesondere wenn es an den Finanzmärkten unruhiger zugeht. Sonst verlieren sie schnell die nötige Nervenstärke und trennen sich zu einem ungünstigen Zeitpunkt von ihrem Investment."

"Es wäre nicht sinnvoll, mit zwei verschiedenen Preismodellen zu arbeiten"
Besonders interessant für Vermittler sei die neue Plattform im Sparplangeschäft, berichtet Leinemann: "Viele neue Kunden investieren über Sparpläne zum ersten Mal in Fonds. Gerade in diesem kleinteiligen Geschäft bietet das neue Portal eine echte Zeitersparnis." Die Plattform ermögliche es außerdem, ganz neue Kundentypen anzusprechen und so die Zielgruppe zu erweitern.

Die Konditionen unterscheiden sich nicht von denen des klassischen Geschäftes. "Wir haben uns dazu entschieden, online und offline mit der gleichen Vergütungsstruktur zu arbeiten", sagt Leinemann. "Zum einen erhält der Kunde bei uns auch im Internet eine vollwertige Anlageberatung, zum anderen kann er den online gestarteten Prozess jederzeit im persönlichen Gespräch fortsetzen. Daher wäre es nicht sinnvoll, mit zwei verschiedenen Preismodellen zu arbeiten."

Tippgeber-Modell in Planung
Mit dem Robo-Berater haben Leinemann und seine Kollegen große Pläne. Künftig soll die Plattform nicht nur den gut 900 Haftungsdachvermittlern offenstehen, sondern auch den rund 1.900 weiteren Signal-Iduna-Vertretern, die kein Fondsgeschäft tätigen. Sie sollen das Portal als Tippgeber empfehlen können. Wie dieses Modell genau aussehen soll, sei jedoch noch offen, so Leinemann. Denkbar sei auch ein breiter angelegtes Online-Marketing: Ein Neukunde, der über Google den Weg auf die Plattform findet, könnte künftig einem vertraglich gebundenen Vermittler des Haftungsdaches aus der Region zugewiesen werden.

"Wir arbeiten außerdem daran, dass der Kunde einen Berater via Video-Chat auf die Plattform holen kann, um so von der Online-Beratung ins persönliche Gespräch zu wechseln", berichtet Leinemann. "Der Kunde soll in Zukunft immer den Weg wählen können, den er sich wünscht."

Growney stellt die Plattform
Die Technik hinter dem neuen Portal stellt das Berliner Start-up Growney. Das Unternehmen ging im Mai 2016 mit einem Portal an den Markt, über das ETF-Portfolios vermittelt werden. "Wir haben im Juni 2017 begonnen, einzelne Teile unserer Plattform auch anderen Finanzdienstleistern anzubieten", sagt Gerald Klein, Gründer und Geschäftsführer von Growney, im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE. Ein solches Modell erlaubt es dem Kooperationspartner, den Endkunden im eigenen Rechtsrahmen zu behalten, statt ihn an ein anderes Unternehmen zu vermitteln.

Klein zufolge ist neben einer technisch einwandfreien Plattform die digitale Kommunikation mit den Endkunden entscheidend. "Auch an dieser Stelle wollen wir unsere Erfahrungen mit unseren institutionellen Kunden teilen", so Klein.

"Wir erwarten, in diesem Jahr vier weitere White-Label-Projekte abzuschließen"
Mit der Signal Iduna AM wurde nun der erste White-Label-Kunde gewonnen. "Die Kooperation zeigt, dass wir unsere Dienstleistung flexibel auf die Wünsche der Kunden einstellen können. Beispielsweise arbeitet Signal Iduna Asset Management mit aktiv verwalteten Fonds statt wie wir mit ETFs. Auch die Schnittstelle zur Sutor Bank, die die Depots betreut, mussten wir entsprechend anpassen."

Die Aufgeschlossenheit der Banken und Versicherer sei größer, als er das anfangs vermutet habe, sagt Klein. "Etablierte Finanzdienstleister sind an Modellen zur digitalen Geldanlage interessiert, die sich bewährt haben und sich zeitnah umsetzen lassen. Darum entscheiden sich viele für White-Label-Lösungen, statt selbst Ressourcen in den Aufbau einer eigenen Plattform zu stecken." Growney sei mit vielen anderen Marktteilnehmern im Gespräch. "Wir erwarten, in diesem Jahr vier weitere White-Label-Projekte abzuschließen", so Klein. (bm)