In den kommenden zwölf Monaten sollen wegen des Brexit rund 5.000 Finanz-Jobs aus London abgezogen oder in den verbleibenden EU-Staaten neu geschaffen werden. Das ergab eine Umfrage der Agentur Reuters unter 119 Finanzunternehmen. Nicht nur, dass die Firmen vor sechs Monaten noch mit doppelt so vielen Umzügen gerechnet hatten – die "Brexiteers" haben mittlerweile auch ihre Präferenzen geändert.

Frankfurt ist nicht länger das Lieblingsziel der Brexit-Flüchtlinge. Stattdessen zieht es sie nun nach Paris. Die Stadt der Liebe wird zur Stadt des Geldes: Rund 2.280 Arbeitsplätze will die Finanzbranche dort schaffen. In Frankfurt sollen nur 1.420 neue Jobs entstehen, gefolgt von Dublin (612) und Luxemburg (407). Zu den Firmen, die Stellen nach Paris verlagern wollen, gehören Goldman Sachs, Morgan Stanley und HSBC.

Kündigungsschutz gibt den Ausschlag
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, selbst ein ehemaliger Investmentbanker, hatte massiv um die "Brexiteers" geworben – unter anderem mit Lockerungen beim Kündigungsschutz und niedrigeren Steuern. In Deutschland klagen Bankenchefs dagegen, dass sich die Regierung nicht genug für den Finanzplatz einsetze. Finanzunternehmen in Deutschland wollen etwa, dass Berlin die im Koalitionsvertrag vereinbarte Lockerung des Kündigungsschutzes für hochbezahlte Banker schnell umsetzt. (fp)