Die spanische Großbank Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) treibt ihre Expansion im deutschen Privatkundengeschäft voran. Nach dem Marktstart vor rund einem Jahr will das Institut sein Angebot deutlich ausbauen und sich langfristig als digitale Universalbank etablieren.

Bislang bietet die BBVA in Deutschland unter anderem Girokonten, Verbraucherkredite, Festgeld und Kreditkarten an. Künftig sollen nach Angaben von Deutschlandchef Jürgen von der Lehr im Gespräch mit "Bloomberg" auch Investmentangebote und Baufinanzierungen hinzukommen. Ziel sei es, bei möglichst vielen Kunden zur Hausbank zu werden.

"Wir sehen in Deutschland riesige Opportunitäten", sagte von der Lehr. Als Gründe nannte er die Größe des deutschen Retailbanking-Marktes und die hohen unverzinsten Guthaben auf Girokonten. Hier wolle die BBVA attraktivere Alternativen anbieten.

Profitabilität schneller als üblich
Die Bank setzt dabei auf ihre bestehende Technologieplattform, über die bereits zahlreiche digitale Bankangebote in anderen Märkten betrieben werden. Während Produktentwicklung teilweise in Spanien erfolgt, wurden in Deutschland unter anderem Kundenservice, Marketing sowie Compliance und Recht aufgebaut. Nach eigenen Angaben läuft die Expansion bislang planmäßig, bei der Kundenaktivität sogar besser als erwartet.

Die BBVA rechnet damit, in Deutschland schneller profitabel zu werden als bei vergleichbaren Markteintritten üblich. Für neu gegründete Banken seien acht bis zehn Jahre bis zur Gewinnschwelle keine Seltenheit, sagte von der Lehr.

Wettbewerb verschärft sich
Der Vorstoß erfolgt in einem ohnehin stark umkämpften Markt. Neben den etablierten Privatbanken konkurrieren Sparkassen, Genossenschaftsbanken sowie zahlreiche Direktbanken und Neobroker um Privatkunden. Hinzu kommen ausländische Anbieter, die ebenfalls im deutschen Retailgeschäft expandieren. Studien zeigen, dass Banken den wachsenden Wettbewerbsdruck durch neue digitale Anbieter zunehmend als Herausforderung wahrnehmen und insbesondere bei der Neukundengewinnung Marktanteile verlieren. (cf/Bloomberg)