Früher wollten Kreditinstitute ihre Kunden zum Sparen motivieren – heute wollen sie Sparer am liebsten loswerden – oder erst gar nicht haben. Fast 200 Banken und Sparkassen in Deutschland nehmen mittlerweile Strafzinsen von Sparern, kaschiert als "Verwahrentgelt". Die Zahl der Häuser, die eine solche Extra-Gebühr verlangen, hat sich seit Juli vergangenen Jahres fast verdoppelt, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) unter Berufung auf Zahlen des Portals biallo.de.

Fast 90 Kreditinstitute kassieren neben Firmen- nun auch bei Privatkunden ab, zumindest, wenn deren Spareinlagen eine gewisse Höhe überschreiten. So nimmt etwa Comdirect seit Ende vergangenen Jahres Negativzinsen von Privatleuten, die mehr als eine Viertelmillion Euro in Sichteinlagen haben, also auf Giro- oder Tagesgeldkonten. Letztere können ohnehin nur noch Bestandskunden nutzen; Neukunden werden Tagesgeldkonten erst gar keine mehr angeboten. "Wir sehen einen generellen Trend, dass die Geldinstitute vor allem Neukunden abschrecken wollen, die hohe Liquidität parken möchten", erklärt Kreditexperte Horst Biallo in der SZ.

Strafzinsen orientierten sich am EZB-Satz
Immer mehr Banken und Sparkassen haben die Freibeträge deutlich nach unten gesetzt, berichtet Biallo. Teilweise würden schon ab 20.000 Euro Sparguthaben Strafzinsen fällig. Beim Tagesgeld verlangen erste Banken bereits ab dem ersten Euro ein "Verwahrentgelt".

Die meisten Geldhäuser nehmen 0,5 Prozent als negativen Einlagenzins pro Jahr – das entspricht genau dem Satz, den die Institute momentan als Strafzinsen an die Europäische Zentralbank (EZB) zahlen müssen, wenn sie dort Geld parken. Wer also eine halbe Million Euro auf dem Konto hat, zahlt pro Jahr 2.500 Euro Strafe. Wer das umgehen will, kann sein Geld auf mehrere Banken aufteilen, um innerhalb des Freibetrags zu bleiben. (fp)