Die Stadtsparkasse Düsseldorf ist für ihr rigides Vorgehen beim Start von Guthabengebühren mittlerweile bundesweit bekannt. Wer der Einführung eines als "Verwahrentgelt" getarnten Strafzinses partout nicht zustimmt, fliegt – egal, ob es sich dabei um 90-jährige Seniorinnen handelt oder um vermögende Bestandskunden mutmaßlich niedrigeren Alters. Das Institut hat die Betreffenden gesperrt und ihr Geld auf ein Konto des Amtsgerichts Düsseldorf bei der Deutschen Bundesbank überwiesen.

Nun weiß man, um welche Summe es bei dem Streit geht: Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) berichtet, lagern auf dem Konto des Amtsgerichts 2,43 Millionen Euro. Insgesamt hatte die Sparkasse 1.825 Kunden angeschrieben, die jeweils mehr als eine Viertelmillion Euro auf ihrem Tagesgeld- oder Girokonto hatten. Sie sollten bei der im Branchenjargon "Einlagenveredelung" genannten Prozedur entweder in Wertpapiere oder Fonds umschichten oder sich mit Negativzinsen einverstanden erklären, andernfalls folgte der Rauswurf. Juristen zufolge ist dieses Vorgehen zwar ziemlich rabiat, aber rechtens.

Wer ein Konto bei der Sparkasse Düsseldorf unterhält und glaubt, jetzt sicher zu sein, könnte eine böse Überraschung erleben: Das Institut schickt schon wieder Briefe raus – diesmal an Kunden, die auf Tagesgeld- und Girokonto zusammengenommen 130.000 Euro oder mehr geparkt haben. Auch sie sollen laut FAZ unterschreiben, dass sie künftig ein "Verwahrentgelt" zahlen, oder aber das Geld umschichten. Als dritte Option bietet die Sparkasse besonders Starrsinnigen an, "freiwillig" die Bank zu wechseln. Diesmal sollen 1.700 Kunden betroffen sein, die zusammen 330 Millionen Euro in täglich fälligen Mitteln halten. Sie haben bis zum 15. Juni Zeit, aktiv zu werden.

Freibetrag mal eben halbiert
Will jemand trotz der jüngsten Ereignisse zur Sparkasse Düsseldorf wechseln, sollte er besser nicht zu viel Geld mitbringen: Wie die FAZ berichtet, hat das Institut den Freibetrag, bis zu dem keine Negativzinsen fällig werden, für Neukunden drastisch gesenkt – von 100.000 auf 50.000 Euro, also um die Hälfte. Anderswo haben Sparer allerdings auch nicht unbedingt mehr Glück. Das Düsseldorfer Geldhaus geht zwar besonders konsequent gegen "Strafzins-Verweigerer" vor, dürfte aber nicht das einzige Kreditinstitut bleiben, das Kunden mit zu hohen Spareinlagen mehr oder weniger konsequent vor die Tür setzt.

Immer mehr Banken und Sparkassen verlangen zum Unmut ihrer Kunden ein "Verwahrentgelt". Dass sie kündigen, wenn Sparer dem nicht zustimmen, ist nur die letzte Eskalationsstufe. Bei der Sparda Bank West könnte es als nächstes so weit sein. Dort läuft gerade die Frist aus, bis zu der Kunden der Strafzins-Vereinbarung zustimmen sollen. (fp)