Die deutschen Sparkassen wollen mit einem neuen Wertpapier-Angebot namens "S-Neo" bereits im April an den Start gehen. Diesen Zeitplan nannte der Sparkassenverband Westfalen-Lippe am Dienstag (24.2.) bei der Vorstellung seiner Jahreszahlen. "S-Neo" soll schlanker und auch billiger sein als andere Angebote der Sparkassen im Wertpapiergeschäft.

Depot für digitale Selbstentscheider
Es geht um ein Depot für sogenannte digitale Selbstentscheider. Gemeint sind Kunden, die ohne Beratung mit Wertpapieren handeln möchten. Für sie muss der Handel nach Angaben des Verbands unkompliziert und möglichst kostengünstig sein. Das neue Depot wird sich mit wenigen Klicks direkt in der Sparkassen-App eröffnen lassen.

Neobroker wie etwa Trade Republic waren in den vergangenen Jahren kräftig gewachsen, auch deshalb, weil sie Kunden mit einfachen Angeboten lockten und oftmals kostengünstiger waren als traditionelle Kreditinstitute.

"Die Kunden wollen solche kostengünstigen Selbstentscheider-Angebote. Sie haben mit den Füßen abgestimmt, indem sie zu den Neobrokern gegangen sind. Wir sehen das an den Abflüssen in Richtung der Neobroker", hatte Liane Buchholz, Präsidentin der Sparkassen aus Westfalen-Lippe, bereits vor einem halben Jahr im "Bloomberg"-Interview gesagt. "Wir müssen solche Angebote schaffen, um nicht weitere Kunden zu verlieren."

Konkurrenz durch DKB
Auch die BayernLB-Tochter DKB, ebenfalls aus dem Sparkassen-Lager, will nicht länger beim Siegeszug der Neobroker zusehen. Sie hatte am Montag (23.2.) das Ziel ausgegeben, die Zahl der Depots zu verdoppeln. Künftig wird sie statt mit der DWP Bank mit dem Fintech Upvest zusammenarbeiten. Die neue Partnerschaft "ermöglicht ein modernes Brokerage gekoppelt mit wettbewerbsfähigen Preisen", sagte Vorstandschef Sven Deglow in einem Interview mit "Bloomberg".

DWP Bank und Dekabank im Hintergrund
Bei "S-Neo" der Sparkassen agieren im Hintergrund sowohl die DWP Bank – ein Wertpapierdienstleister, der zur Hälfte dem öffentlich-rechtlichen Bankensektor gehört – als auch die Dekabank, das gemeinsame Fondshaus der Sparkassen, wie der Sparkassenverband Westfalen-Lippe auf Nachfrage erklärte.

Das neue Angebot passe zu ETF-Sparern, kostenbewussten Anlegern, Menschen mit Interesse an Finanzthemen und Anlegern, die keine laufende Beratung wünschen, hieß es am Dienstag. (mb/Bloomberg)