Unter den knapp 400 deutschen Sparkassen zeichnen sich aufgrund der Coronakrise keine gravierenden Schieflagen ab. Das sagte Walter Strohmaier, Bundesobmann der Sparkassen, der Nachrichtenagentur "Bloomberg" zufolge. "Ich würde es zum heutigen Zeitpunkt völlig ausschließen, dass es zu Stützungsfällen kommt, nach meinen Kenntnissen", sagte er. Er verwies darauf, dass die Risiko- und Liquiditätslage der Sparkassen derzeit "besser als erwartet" sei.

Zuvor hatte es Warnungen vor einer neuen Bankenkrise speziell bei kleineren Instituten gegeben. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hatte Anfang Juli vor einer Bankenkrise angesichts hoher Kreditausfälle gewarnt. Sparkassen und Volksbanken seien dabei besonders bedroht, schrieben die Experten. Der Grund: Diese lokalen Institute hätten ihr Geld meist an kleinere Firmen aus Einzelhandel und Gastgewerbe verliehen, die vom Corona-Lockdown schwer getroffen worden seien.

"Strategische Gespräche erschwert"
Strohmaier ist auch Vize-Chef im Verwaltungsrat der Dekabank, dem Zentralinstitut des öffentlich-rechtlichen Sektors. Er warb zudem dafür, Doppel- und Mehrfacharbeiten in der Sparkassen-Organisation zu vermeiden. Die Zusammenarbeit in den Verbänden und Verbünden solle intensiviert werden. Die Dekabank hatte im Januar Verhandlungen mit der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) aufgenommen – ein Prozess, bei dem ein Sparkassen-Zentralinstitut entstehen könnte und dem sich andere Landesbanken anschließen könnten. Gespräche zu einer möglichen Fusion von Dekabank und Helaba waren wegen der Coronakrise auf Eis gelegt worden.

Wann es hier weitergeht, hängt Strohmaier zufolge letztlich vom Verlauf der Pandemie ab. Sollte sich der Trend steigender Infektionen der vergangenen beiden Wochen fortsetzen, dann hätten es die Sparkassen für längere Zeit mit volkswirtschaftlich schwierigen Zeiten zu tun, was "strategische Gespräche erschwert". Strohmaier zufolge könnte ein Zentralinstitut den Sparkassen vor allem dabei helfen, Risiken in der Gruppe "wertschonend" abzubauen. "Ich wäre glücklich und zufrieden, wenn 2022 das Institut stehen würde", sagte er.

Fusion auf Eis
Peter Schneider, Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg, hatte Ende Juli gesagt, eine Entscheidung werde es wohl nicht vor 2022 geben. Der Verband ist mit rund 16 Prozent an der Dekabank beteiligt. Schneider rechnet damit, dass sich die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise erst 2021 und 2022 zeigen dürften, insbesondere auch mit Blick auf mögliche Kreditausfälle. Bevor es hier keine Klarheit gebe, werde das Thema Helaba/Deka nicht "aufgerufen", sagte Schneider. Vertreter von Dekabank und Helaba wollten sich gegenüber "Bloomberg" nicht zu dem Thema äußern. (Bloomberg/ert)