Nach Meldungen über Stellenstreichungen in der Finanzbranche aufgrund des zunehmenden Einsatzes von künstlicher Intelligenz (KI) hat der geschäftsführende Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands (OSV) ruhigere Töne angeschlagen. Ludger Weskamp geht nach eigenen Worten nicht davon aus, dass Mitarbeiter seiner Finanzgruppe in der Breite ihre Beschäftigung wegen KI verlieren werden.

Auswirkungen auf Personalbedarf möglich
"Dass es am Ende des Tages Auswirkungen auf den Bedarf an Personal haben kann und wahrscheinlich auch haben wird, das ist auch in der Sparkassen-Organisation so", erklärte Weskamp am Mittwoch (18.2.) bei der Vorstellung von Bilanzzahlen für das vergangene Jahr. "Ich glaube aber, dass die Verwerfungen überschaubar sind."

Er begründete dies mit "Herausforderungen" durch den demografischen Wandel, der zum Ausscheiden vieler Mitarbeiter speziell bei den Sparkassen führen dürfte. Nach Schätzungen des Verbands geht allein bis 2030 jeder vierte Mitarbeiter in der Gruppe in Rente. Das heißt, viele Stellen müssen nachbesetzt werden.

Vor diesem Hintergrund "ist mir nicht bange drum, dass wir die – wenn es tatsächlich so kommen sollte – freien Personalkapazitäten nicht näher am Kunden einsetzen können", sagte Weskamp. KI könne Aufgaben übernehmen und damit dazu beitragen, an anderen Stellen qualifiziertes Personal zu haben. "Die Nachbesetzung würde uns ohne KI deutlich schwerer fallen."

KI treibt Stellenumbau in der Finanzbranche
Versicherer und Banken setzen zunehmend auf KI, um Dienste zu beschleunigen und zu verbessern – und um Kosten zu senken. Die Munich-Re-Tochter Ergo hatte in dieser Woche erklärt, dass sie rund 1.000 Stellen abbauen will. Dabei verwies sie auch explizit auf den zunehmenden Einsatz von KI. Derweil gab die Bank ING Groep Ende vergangenen Jahres bekannt, dass wegen "Digitalisierung, KI und sich verändernder Kundenbedürfnisse" rund 1.000 Stellen gefährdet seien.

Unterdessen berichtete der Branchendienst "Finanz-Szene" am Donnerstag (19.2.), dass laut Finanz Informatik – dem IT-Dienstleister der Sparkassen – die IT-Prozesse der Sparkassen durch KI so stark an Effizienz gewinnen sollen, dass die etwa 300 Institute schon nächstes Jahr mit rund 5.800 Vollzeit-Jobs weniger auskämen. Gut möglich, dass betroffene Mitarbeiter dann intern auf andere Stellen wechseln, wie von Weskamp angedeutet.

Der OSV ist Interessenvertreter für 43 Sparkassen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt. (mb/Bloomberg)