Die "schwarze Null" wird im Bundestag hochgehalten. Deutschland soll keine neuen Schulden aufnehmen, sondern die bestehenden tilgen, findet Finanzminister Olaf Scholz. Nach Ansicht von Manfred Schlumberger, Vorstand und Leiter des Portfoliomanagements bei Starcapital, zahlt die Bundesrepublik für dieses Vorhaben einen hohen Preis.

"Deutschland weist heute einen ausgeglichenen Haushalt auf, obgleich das Sozialbudget durch beispielsweise die Rente ab 63 oder die Mütterrente massiv nach oben gefahren wurde. Zu verdanken ist dies der Nullzinspolitik der EZB und nicht dem sich als 'schwäbische Hausfrau' aufspielenden Ex-Finanzminister Schäuble“, schimpft Schlumberger. Er bemängelt unter anderem das lückenhafte Mobilfunknetz, baufällige Schulen und Universitäten sowie "eine zu Tode gesparte Bahn". 

Die Sparquote und die Außenhandelsüberschüsse in Deutschland sind hoch und führen Schlumberger zufolge derzeit zu einem massiven Kapitalexport. "Selbst der Internationale Währungsfonds ist der Meinung, dass unter diesen Umständen Staatsschulden problemlos sind", sagt der Vorstandschef. Er schlägt vor, über einen Staatsfonds Geld in Aktien zu investieren und damit die Altersversorgung in Deutschland zu sichern – ein Vorschlag, den in dieser Form unlängst auch das Ifo-Institut unterbreitet hat.

Anleihen für den Ausbau der Infrastruktur
Eine andere Lösung für das Problem sieht Schlumberger in der sogenannten "Modern Monetary Theorie". Ihr Kern: Geld wird vom Staat geschaffen. "Der deutsche Staat müsste heute für die Ausgabe einer hundertjährigen Anleihe ungefähr 1,5 Prozent Zinsen zahlen", hat der Investment-Experte errechnet. "Ohne die nächsten Generationen zu belasten, ließe sich damit die Infrastruktur verbessern und das künftige Wachstumspotential erhöhen." Die angestrebte "schwarze Null" steht einer solchen Möglichkeit allerdings im Weg. (fp)