Die Revolution frisst ihre Kinder: Immer mehr deutsche Finanztechnologie-Firmen – kurz Fintechs – stellen ihr Geschäft ein. Das zeigt eine Studie des Wirtschaftsprüfungsunternehmens PwC. Demnach sind seit Anfang 2011 bis heute 233 Fintechs vom Markt verschwunden. Das entspricht etwa jeder fünften Start-up-Firma seit Beginn des Gründerfiebers in diesem Sektor. Fintechs, die wegen Übernahmen oder Fusionen nicht mehr auf dem Markt sind, sind in der Statistik nicht enthalten. 

Begonnen hat der schleichende Niedergang bereits vor etwa zweieinhalb Jahren, als die Fintech-Euphorie an Tempo gewann und besonders viele Firmen loslegten. So haben seit 2017 insgesamt 170 Finanztechnologiefirmen den Betrieb eingestellt. Die PwC-Experten schätzen die Erfolgsquote von Start-ups im Schnitt auf lediglich zehn Prozent. Die meisten Gründer geben nach drei oder vier Jahren auf. So gerechnet wäre die Welle des Scheiterns längst nicht vorbei. 

Und tatsächlich dürfte der Exodus 2019 sogar einen neuen Gipfel erreichen: Alleine bis Ende Mai gab es 34 weitere Geschäftsaufgaben. Aufs Gesamtjahr kalkulieren die PwC-Beobachter mit 82 endgültigen Fehlversuchen. Zum Vergleich: 2018 war für 74 Fintechs "finito".

Berlin als Zentrum der Fintech-"Fehlzünder" 
Besonders hart trifft es laut den PwC-Fachleuten Jungunternehmen aus dem Bereich Finanzierung: 70 Start-ups für Kreditangelegenheiten und Fremdkapitalvermittlung haben in den vergangenen Jahren die Segel gestrichen.

Als "Pleite-Metropole" hat sich mit 74 Geschäftsaufgaben Berlin etabliert – was insbesondere daran liegt, das hier meisten Fintech-Gründungen ihre Zelte aufgeschlagen haben. Dahinter folgen nahezu gleichauf München (25), Hamburg (21) und Frankfurt (20).

Viele scheitern an Geldproblemen
Fintech-Unternehmen wollen in der Regel mithilfe von Software etablierte Finanzinstitutionen wie Banken, Versicherer oder Fondsanbieter und Vermögensverwalter herausfordern. Viele bleiben allerdings hinter dem gewünschten Erfolg zurück, etwa, weil sie Geschäftsmodelle anderer Start-ups kopieren oder an anderen Themen scheitern. Dabei spielen – Ironie des Geschäftslebens – ausgerechnet Geldsorgen häufig eine Rolle: (fp/ps)