Mehr als 120.000 deutsche Steuerhinterzieher haben sich in den vergangenen Jahren selbst angezeigt und ihr in der Schweiz verstecktes Vermögen nachversteuert. Viele davon hätten nun Anspruch auf eine Entschädigung seitens ihrer eidgenössichen Vermögensverwalter. Der Grund: Seit dem Jahr 2012 müssen Schweizer Banken laut richterlicher Anordnung das Geld, das sie von Fondsgesellschaften und anderen Produktanbietern für ihre Vertriebsdienste – in der Schweiz unter dem Namen Retrozessionen und anderswo als "Kickbacks" bekannt – kassiert haben, ihren Kunden zurückerstatten. Wie die Tageszeitung "Die Welt" berichtet, blieb die große Rückforderungswelle aber bislang aus.

Das hat mehrere Gründe: "Viele Selbstdeklarierer aus Deutschland haben Angst vor der Schweiz", zitiert die "Welt" Hubert Schwärzler, Chef des Schweizer Dienstleisters Liti-Link, der sich darauf spezialisiert hat, Entschädigungszahlungen für Kunden von eidgenössischen Vermögensverwaltern zu erstreiten. Viele hätten mental mit dem Kapital Schweiz abgeschlossen und seien nach der Selbstanzeige noch immer eingeschüchtert. Ebenfalls hinderlich sei der Begriff "Retrozessionen", den viele Deutsche nicht kennen und entsprechend auch nicht einordnen können.

Online-Tool soll Anlegern helfen
In vielen Fällen droht laut Liti-Link die Verjährung der Forderungen. Zwar hatte im Juli 2018 das Schweizer Bundesgericht entschieden, dass Ansprüche wie jene im Provisionsstreit erst nach zehn statt nach fünf Jahren verjähren. Doch weil das Gros der versteckten Provisionen während oder kurz nach Eskalation der Finanzkrise im Jahr 2008 floss, droht die Verjährung dennoch.. 

Liti-Link hat 2017 einen Online-Service namens "Retro-Back" eingerichtet, über den Anleger prüfen können, ob sie finanzielle Ansprüche gegenüber Schweizer Banken und Vermögensverwalter haben. Liti-Link prüft die Unterlagen, stoppt die Verjährung und fordert die Gebühren von der Bank oder dem Finanzdienstleister für die letzten zehn Jahre zuzüglich Zinsen zurück. Der Service ist für den Anleger zunächst kostenlos. Bei Erfolg erhält das Unternehmen eine Beteiligung von 35 Prozent. (fp)