Kunden der Fondsdepot Bank sind bislang "strafzinsbefreit". Das ändert sich aber in wenigen Monaten: Ab kommendem Februar verlangt der Finanzdienstleister 0,5 Prozent – und das grundsätzlich schon ab einem Freibetrag von nur 5.000 Euro! Zwar soll diese ungewöhnlich niedrige Grenze aus "Kulanzgründen" bis auf weiteres nicht gelten, die Fondsdepot Bank möchte die "Strafzins"-Schwelle zunächst bei 100.000 Euro festsetzen. Doch die im bayerischen Hof ansässige Gesellschaft, die 2022 von der Ebase-Mutter FNZ übernommen wird, kann diese 100.000-Euro-Grenze jederzeit und ohne Extra-Zustimmung der Kontoinhaber kippen. Das geht aus Entwürfen zu Kundenanschreiben hervor, die FONDS professionell ONLINE vorliegen.

Der Finanzdienstleister begründet den drastischen Schritt auf Anfrage mit den Negativzinsen, die er selber bei der Europäischen Zentralbank zahlen muss – ab dem ersten Euro. "Auf Grund des seit langem bestehenden extremen Niedrigzinsumfeldes und den damit verbundenen Kosten sieht sich auch die Fondsdepot Bank, wie viele andere Institute, dazu gezwungen, ein Verwahrentgelt für höhere Guthaben auf Geldkonten einzuführen," wird mitgeteilt. Man betont zudem, dass das kostenlose Konto lediglich zum "Zwischenparken" von Geldern zwischen zwei Investitionsentscheidungen in Fondsanteilen dienen soll. "Es handelt sich nicht um ein Anlagekonto."

BGH-Urteil löst großen Einfallsreichtum aus
Anlass für das Schreiben ist die Einführung neuer Vertragsbedingungen per Anfang Februar 2022, denen Kunden explizit zustimmen müssen – und damit auch den Regeln zum neuen Verwahrentgelt. Das Anschreiben an die Kunden hat wiederum seinen Grund in dem bekannten Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) vom April zu unwirksamen Änderungen der Klauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von Banken, wenn diese sich der sogenannten "Zustimmungsfiktion" bedient hatten: Wenn Kunden nicht ausdrücklich protestierten, gaben sie ihr Okay. Nun müssen sich die Geldinstitute bei AGB-Änderungen grünes Licht von Kunden geben lassen. Stimmen diese nicht zu, kann es passieren, dass sie vor die Tür gesetzt werden – die Fondsplattform möchte auf diesen Schritt aber vorerst verzichten und "abhängig vom Rücklauf weitere Maßnahmen ergreifen".

Einige Institute nutzen den BGH-Entscheid derweil äußerst kreativ, um simultan zur AGB-Zustimmung neue respektive höhere Gebühren abnicken zu lassen oder neue Regeln für Verwahrentgelte durchzudrücken. Die ING Deutschland und die Hamburger Sparkasse (Haspa) verfuhren jüngst so: Das neue Preis- und Leistungsverzeichnis der Direktbank sieht nicht nur erstmalig eine Gebühr von monatlich 99 Cent für die Girocard vor, sondern unterscheidet auch nicht länger zwischen Neu- und Bestandskunden beim Verwahrentgelt von 0,5 Prozent pro Jahr ab 50.000 Euro Guthaben. Die Haspa wiederum hat auf dem Weg der Zustimmung zu neuen AGBs ihre ohnehin schon vergleichsweise üppigen Kontoführungsgebühren erneut angehoben: von 7,90 Euro auf stolze 9,95 Euro im Monat für das Grundkonto und von 16,90 Euro auf 17,95 Euro für das Premiumkonto. (jb)