In den letzten Jahren haben immer mehr Kreditinstitute auf Kundenguthaben Strafzinsen erhoben und die Freigrenzen heruntergeschraubt, bis zu denen kein euphemistisch "Verwahrentgelt" genannte Extra-Gebühren auf Einlagen anfallen. Nun setzt die Oldenburgische Landesbank (OLB) den Freibetrag für private Kunden wieder deutlich herauf, wie das Haus am Donnerstag (21.4.) mitteilte. Die Entscheidung mag vielleicht noch keine Wende markieren, ein klarer Schritt ist sie aber allemal. 

"Gegen den Trend in der Finanzbranche sind unsere Kunden wie auch potenzielle Neukunden bei uns mit ihren Einlagen sehr willkommen", erklärt Aytac Aydin, Vorstandsmitglied der OLB und verantwortlich für das Retailgeschäft. Die Bank vervielfacht für bestimmte Modelle die Entgeltgrenzen: Beim Girokontomodell M etwa steigt die Freigrenze von 500.000 auf eine Million Euro, beim Modell L auf 2,5 Millionen Euro und bei der Variante XL sogar auf fünf Millionen Euro. Erst bei höheren Einlagen fallen Minuszinsen von 0,5 Prozent an. 

Höhere Freigrenze auch bei Tagesgeldkonten
Über die Änderungen bei den Kontomodellen hinaus steigt auch beim Verwahrentgelt auf Tagesgeldkonten die Freigrenze spürbar, und zwar von 100.000 auf gleich 500.000 Euro. Die OLB nutzt insbesondere die Kundeneinlagen zur Refinanzierung der ausgegebenen Kredite. Zum 31. Dezember 2021 lag das Kreditvolumen nach Angaben der Bank bei 17 Milliarden Euro.

Die hohe Inflation lässt Markteilnehmer vermuten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Einlagenzins von zuletzt minus 0,5 Prozent bald heben wird. Sollte es dazu kommen, gilt es als wahrscheinlich, dass die meisten Banken mit "Strafzinsen" Schluss machen. Erst Anfang der Woche hatte der stellvertretende Vorstandschef der Deutschen Bank, Karl von Rohr, in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" erklärt, sein Haus wolle keine Negativzinsen von Privatkunden mehr verlangen, wenn die EZB die Leitsätze herauf setzt. (am)