Die Commerzbank wird die Schmerzgrenze, ab der sie Strafzinsen in Höhe von 0,5 Prozent auf Guthaben ihrer Kunden verlangt, zum 1. August auf 50.000 Euro senken, wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf Unternehmenskreise schreibt. Der bisherige Freibetrag liegt bei 100.000 Euro.  Die Commerzbank wollte sich auf Anfrage der Wirtschaftszeitung nicht zu dem Thema äußern.

Betroffen von diesem Schritt seien nicht nur Neukunden, sondern alle Kontoinhaber, die seit dem 1. Juli 2020 Kunde des Instituts sind. Das sei nach dem Verständnis von Deutschlands zeitgrößter Geschäftsbank möglich, weil sie ihre AGB im vergangenen Sommer entsprechend geändert habe, sodass die "Verwahrentgelte" grundsätzlich möglich sind. 

Individuelle Vereinbarungen
Ferner sollen mit allen Bestandskunden individuelle Vereinbarungen getroffen werden. Die Höhe der Freibeträge hänge dabei unter anderem von der Dauer der Geschäftsbeziehung ab. Bei einigen Bestandskunden werde der Freibetrag daher ebenfalls auf 50.000 Euro sinken, so das Handelsblatt. Bei der Direktbank-Marke Comdirect gilt aktuell ein Freibetrag von 100.000 Euro – noch: "Wir beobachten das Thema und schauen, wie sich der Markt entwickelt", zitiert die Zeitung eine Comdirect-Sprecherin.

Commerzbank-Privatkundenvorständin Sabine Schmittroth hatten diesen Schritt kürzlich bereits angedeutet. "An die breite Privatkundschaft werden wir keine Negativzinsen weitergeben. Aber die Frage ist, wo das Ende der Breite ist", sagte sie im Handelsblatt-Interview. "Daher werden wir uns die Höhe der Freibeträge immer wieder anschauen."

Neben der Commerzbank gehen aber immer mehr Banken dazu über, die Negativzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht nur auf Neukunden, sondern auch auf Stammkunden abzuwälzen. Jüngst haben die Onlinebank 1822 Direkt sowie die Hamburger Sparkasse entsprechende Schritte getan. Die Sparda-Bank West hat zudem kürzlich den Freibetrag auf 25.000 Euro gesenkt – für Neu- ebenso wie für Bestandskunden. (jb)