Die Schwelle, bis zu der Inhaber von Giro- oder Tagesgeldkonen der Deutschen Bank "strafzinsfrei" davonkommen, könnte bald sinken. Das deutet Lars Stoy, neuer Chef des Privatkundengeschäfts, in einem Gespräch mit dem "Handelsblatt" an. Dort erklärt er auch, warum sich das jüngst gefällte Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) zu Bankgebühren für Verbraucher seiner Ansicht nach langfristig rächen könnte.

Bei der Konzerntochter Postbank ist man schon soweit: Kunden bekommen dieser Tage Nachricht darüber, dass man sich "leider gezwungen" sehe, auf die Niedrigzinspolitik der EZB zu reagieren und eine "Vereinbarung über die Entrichtung eines Verwahrentgeltes treffen" wolle. Auch für die Deutsche Bank sind derartige Maßnahmen unumgehbar. Und wie bei der Postbank werden nicht nur Neu-, sondern auch Bestandskunden den "Zinshammer" abbekommen. Bislang werden diese erst ab 100.000 Euro aufwärts mit einem Tarif von 0,5 Prozent zur Kasse gebeten.

"Wir beobachten den Markt sorgfältig und werden niedrigere Freigrenzen prüfen", so Stoy gegenüber der Zeitung. Entschieden sei noch nichts. Auf Bestandskunden mit hohen Einlagesummen gehe man gezielt zu. "Wir sind im Moment dabei, Kunden mit Einlagen von mehr als 100.000 Euro anzusprechen." Zur Erinnerung: Das Institut hatte vor Kurzem bereits die Freigrenze für Einlagen auf Girokonten der Marke Postbank auf 50.000 Euro gesenkt – für Neu- ebenso wie Bestandskunden. Die Zahl der Klienten, die von diesem Schritt betroffen sind, beziffert Stoy im Handelsblatt-Interview auf einen "sehr niedrigen einstelligen Prozentsatz". 

Kündigungen nicht ausgeschlossen
Dass man sich, ähnlich drastisch wie bei der Sparkasse Düsseldorf unlängst geschehen, von wertpapierberatungsresistenten Klienten trennt, will Stoy nicht kategorisch ausschließen. "Das ist nicht unser Ziel, kann aber die letzte Konsequenz sein. Bei den Streamingdiensten ist es ja auch so: Wenn der Kunde dort einer Preiserhöhung nicht zustimmt, kann er den Dienst nicht weiter nutzen", so Stoy. Man sei überzeugt, mit den aktuellen Kontomodellen eine gute Dienstleistung zu angemessenen Preisen zur Verfügung zu stellen." Kunden, die anderer Meinung sind, werden sich letztlich ein anderes Kreditinstitut suchen müssen. Das kann im Extremfall auch eine Kündigung unsererseits beinhalten. Wir versuchen aber natürlich, das zu vermeiden."

Der Deutsch-Banker warnt ferner, dass das BGH-Urteil für Verbraucher langfristig zum Bumerang werden könnte. Die Karlsruher Richter hatten die Praxis von Banken gekippt, ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu ändern, wenn Kontoinhaber dem nicht innerhalb von zwei Monaten ausdrücklich widersprechen. "Die Entscheidung sorgt auf jeden Fall für mehr Bürokratie, weil es aufwendiger wird, neue Preise zu vereinbaren. Und der Richterspruch kann dazu führen, dass intensiver darüber nachgedacht wird, was Bankdienstleistungen wert sein sollten", sagt Stoy dem Handelsblatt. Einen Schritt hin zu generell höheren Gebühren wolle er für sein Institut auch nicht ausschließen. "Das ist aktuell nicht unser erklärtes Ziel, aber wir werden das Marktgeschehen natürlich beobachten." (jb/ps)