Die Zahl der Banken, die Negativzinsen oder "Einlagenentgelte" für Guthaben verlangen, steigt immer weiter – während die Freibeträge sinken, mit denen Kunden die Strafzinszahlungen vermeiden können. Verbraucher reagieren auf verschiedene Weise auf die neuen "Verwahrentgelte" der Institute: Mittels Transfers, Investments oder gar nicht, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) berichtet.

Tatsächlich macht rund die Hälfte der Kunden, die mittlerweile nicht mehr nur aus der Gruppe derjenigen mit sehr viel Geld auf dem Konto besteht, nichts und zahlt klaglos die Gebühren, so die FAZ unter Berufung auf die Unternehmsberatung Investors Marketing. Zehn Prozent der Kunden transferieren Liquidität zu einer anderen Bank. Und 15 bis 20 Prozent investieren Geld in Wertpapiere oder Fondssparpläne. In Einzelfällen würden die Kontoinhaber Geld auch abheben und vergleichsweise preiswerter ins Schließfach legen. 

Dreigeteiltes Vorgehen
Eine Kundin aus Berlin berichtet der Zeitung, dass sie alle drei Schritte unternommen habe, nachdem ihr die Commerzbank eröffnete, dass sie für Beträge oberhalb von 100.000 Euro von nun an 0,7 Prozent an Negativzinsen zahlen solle: Sie verhandelte mit der Bank und drückte den Zinssatz auf 0,5 Prozent. Ferner hat sie einen Teil des Geldes zur Konkurrenz überwiesen. Simultan überlege sie, einen Teil des Geldes in börsengehandelte Indexfonds (ETF) zu stecken: In Form von Sparplänen, um die Papiere nach und nach kaufen zu können.

Solcherlei Reaktionen sind für die Commerzbank nur bedingt typisch: "Sehr viele Kunden schichten in andere Anlageformen um", zitiert die FAZ einen Sprecher. Manche würden auch zahlen – "aber das Umschichten hat Priorität". Die Optionen draußen am Markt für den Wechsel zu einer anderen Bank seien schließlich überschaubar. Andere Banken führten ebenfalls Negativzinsen ein, vor allem Neukunden finden kaum noch echte Gratiskonten ohne Haken.

Geringe Wechselbereitschaft
Die geringe Bereitschaft zur Eröffnung neuer Konten bestätigen auch andere Geldhäuser. "Wir haben keinerlei Signale, die darauf hindeuten würden, dass Kunden ihre Einlagen zu anderen Anbietern umschichten würden", so ein Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Ein Sprecher des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken hob gegenüber der FAZ hervor: "Ein Indiz ist die Zahl der Girokonten – diese ist bei den Genossenschaftsbanken über die letzten Jahre hinweg stabil, sogar leicht steigend." (jb)