Die von hiesigen Vermögensverwaltern erzielten Provisionsüberschüsse lagen 2016 erstmals seit dem Beginn der Finanzkrise 2008 unter dem Vorjahr. Dies zeigt eine Auswertung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft App Audit aus dem rheinland-pfälzischen Gensingen. Die Überschüsse sanken demnach um fünf Prozent auf 520 Millionen Euro. Der Rückgang habe sich insbesondere aus dem durchwachsenen Börsenjahr ergeben.

App Audit wertete die Jahresabschlüsse für 2016 aus, die per Mitte Juni 2018 vollständig verfügbar waren. In die Untersuchung flossen die Kennzahlen von rund 180 Unternehmen ein – vom Ein-Mann-Vertrieb bis zum Großverwalter mit angeschlossenem Fondsmanagement. Als Ausgangspunkt der Analyse diente die Liste der Unternehmen, die Mitglied im Verband unabhängiger Vermögensverwalter (VuV) sind.

Die Wachstumsdelle zeigte sich vor allem bei den Top-10-Adressen, gemessen an den Provisionseinnahmen. Bei den kleineren und mittleren Anbietern fiel der Rückgang moderater aus. Allerdings hatten sich die großen Akteure im Markt in punkto Wachstum in den Vorjahren deutlich vom Wettbewerbsfeld abgesetzt. Den Großteil der Erträge erwirtschaften ohnehin nur wenige Adressen. Und allein unter den Top-10 dominieren wiederum drei Anbieter den Markt: Flossbach von Storch, PEH Wertpapier und DJE Kapital.

Aufwand steigt – auch dank der Chefetage
Auch das Aufwands-Ertrags-Verhältnis (Cost-Income-Ratio, CIR) der deutschen Vermögensverwalter fiel erstmals seit Jahren schlechter aus als im Vorjahr: Die Kennzahl kletterte von 52 Prozent 2015 auf 59 Prozent im Folgejahr, was nichts anderes heißt, als dass von jedem eingenommenen Euro nur 41 Cent in der Kasse blieben. Das ist deshalb erwähnenswert, weil erst 2015 der Aufwand im Schnitt unter das Niveau von vor der Finanzkrise gefallen war.

Neben der allgemienen Ertragsschwäche nennen die Wirtschaftsprüfer vor allem gestiegene Verwaltungsaufwendungen als Ursache. Festzuhalten ist aber: Die Cost-Income-Ratio schwankt stark. Sie rangiert bei der Hälfte der Anbieter zwischen 50 und bis zu 90 Prozent. Auch die Personalkosten stiegen stetig.

Erstmals untersuchte App Audit auch die Vergütungsstrukturen der Gesellschaften. So machte das Gehalt der Geschäftsleitung im Schnitt zwölf Prozent der gesamten Personalaufwendungen aus. Im Schnitt verdiente ein Geschäftsleiter 236.000 Euro. Bei den Top-10 lag der Schnitt je Leitungsmitglied bei 482.000 Euro. Der höchste Durchschnittsbetrag, den die Wirtschaftsprüfer je Mitglied der Geschäftsleitung ermittelten, bezifferte sich auf 849.000 Euro. (ert)