Bei den deutschen Asset Managern, die im internationalen Vergleich als eher klein gelten, dürfte in den nächsten Jahren das Thema Fusionen und Übernahmen stärker in den Blickpunkt rücken. Zu dieser Einschätzung kommen die Experten der Unternehmensberatung Zeb in einer Studie zum europäischen Asset Management, wie der Finanznachrichtendienst "Bloomberg" berichtet.

Nachdem es bereits einige Deals in der Branche auf europäischer Ebene gegeben hat, "erwarten wir für die kommenden Jahre auch in Deutschland eine Zunahme des M&A-Geschehens bei Asset Managern", erklärte Johannes Branahl, Senior Consultant bei der Beratungsfirma, "wohl aber nicht zwischen deutschen Managern, sondern eher unter internationaler Beteiligung".

Größe als Wettbewerbsvorteil
Europas Asset Manager müssen gegen große US-Firmen antreten, die seit der Finanzkrise Marktanteile gewonnen haben, auch dank billigerer ETFs. Größe kann in diesem Wettbewerb von Vorteil sein. In Frankreich schafft BNP Paribas gerade einen neuen Branchenriesen – durch die Übernahme des Investmentgeschäfts des Versicherers Axa. Größere Transaktionen mit deutscher Beteiligung sind aber ausgeblieben.

Dass deutsche Asset Manager, zu denen beispielsweise die Dekabank und Union Investment zählen, international relativ klein sind, liegt auch daran, "dass sie mit wenigen Ausnahmen kaum im Ausland aktiv sind und kein signifikantes Passiv- oder ETF-Angebot haben", sagte Zeb-Partner Carsten Wittrock. Als eine der wenigen Ausnahmen gilt die Deutsche-Bank-Tochter DWS mit ihrer ETF-Marke Xtrackers, die in Europa zu den großen Akteuren zählt.

Schrumpfende Ertragsmargen, steigende Kosten
Dabei steht die Branche laut Zeb vor großen Herausforderungen. Schrumpfende Ertragsmargen, steigende Kosten und ein zunehmend unsicheres geopolitisches Umfeld trüben die Aussichten, auch für die deutschen Unternehmen.

"Um die Ertragsseite zu verbessern, setzen deutsche Asset Manager unter anderem verstärkt auf margenstärkere Produkte, etwa im Bereich der Private Markets. Dabei haben sie zunehmend auch Retailinvestoren im Visier", erklärte Wittrock. Investments in alternative Anlagen wie Infrastruktur oder Private Equity und Private Debt hatten zuletzt stark an Popularität gewonnen.

"KI ersetzt Routinearbeiten"
Beim Thema Konsolidierung geht Wittrock davon aus, dass größere Asset Manager, die eher auf liquide Anlagen setzen, "sich mit den Managern illiquider Anlagen verbreitern könnten, auch in Deutschland". Transaktionen mit Fintechs oder Neobrokern, die Asset Managern einen direkten Zugang zu Retailkunden bieten, seien ebenfalls denkbar.

Auf der Kostenseite spielt Wittrock zufolge nach wie vor das Thema Digitalisierung eine große Rolle. Viele Asset Manager würden noch auf alten, weniger effizienten Plattformen arbeiten. "Auch der Einsatz von KI gewinnt an Bedeutung bei deutschen Asset Managern", ergänzte Branahl. "KI ersetzt Routinearbeiten, mit entsprechenden Auswirkungen auf den Mitarbeiterbedarf." Im Portfoliomanagement und der Risikoanalyse stehe der Einsatz von KI noch am Anfang, während KI-Lösungen im Research vermehrt zum Einsatz kommen würden. (Bloomberg/ert)