Studie: Deutsche Banken verdienen so gut wie seit Jahrzehnten nicht
Deutschlands Banken steuern weiterhin auf Erfolgskurs. Das meinen jedenfalls die Experten der Beratungsgesellschaft Bain. Doch neue Konkurrenten machen den Kreditinstituten das Leben schwer. Die Wettbewerber kommen auch aus dem Asset Management.
Die Banken in Deutschland sind so rentabel wie lange nicht mehr. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Beratungsgesellschaft Bain & Company. Demnach erzielten die heimischen Geldhäuser 2024 zum zweiten Mal in Folge durchschnittlich eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von sechs Prozent – ein seit den 1990er und 2000er Jahren nicht mehr erreichtes Niveau. Ein entscheidender Erfolgsfaktor sei dabei ein niedriges Aufwand-Ertrags-Verhältnis (Cost-Income-Ratio, CIR). Dieses habe mit 59 Prozent weiterhin auf dem niedrigsten Niveau seit mehr als vier Jahrzehnten gelegen.
"Die deutschen Banken haben Enormes geleistet und sich aus einer schwierigen Lage befreit", lobt Walter Sinn, Vorsitzender von Bain für Deutschland und Österreich sowie Co-Autor der Studie. Doch die bisherigen Fortschritte reichten nicht aus, um den angestammten Markt gegen eine wachsende Zahl von Angreifern aus dem Ausland sowie Spezialisten zu verteidigen, die nicht der strengen Bankenregulierung unterliegen, warnt der Bankenexperte. Dazu zählt Sinn Wealth und Asset Manager ebenso wie Zahlungsdienstleister oder Neobroker.
Neue Konkurrenz
Der Bain-Analyse zufolge entfällt inzwischen auf diese neuen Wettbewerber ein Marktanteil von rund 20 Prozent. Und das Wachstum dürfte weitergehen. "Bis 2035 kann der Marktanteil der neuen Wettbewerber im Bankgeschäft auf gut ein Drittel steigen, wenn die traditionellen Anbieter nicht rasch handeln", warnt Jens Oesterle, Associate Partner bei Bain und Co-Autor der Studie. Besonders bedroht seien die margenträchtigen und strukturell wachsenden Felder rund um das Asset und Wealth Management: Bis 2035 könnten Nicht-Banken dort mehr als die Hälfte des Marktes erobern.
Dank der operativen Fortschritte in der jüngeren Vergangenheit seien Deutschlands Banken zwar wesentlich besser gewappnet, den neuen Angreifern zu begegnen, als noch vor einigen Jahren. Dennoch müssen sich die Institute auf die neue Konkurrenz einstellen. "Die Banken müssen ihr Geschäftsmodell stetig auf den Prüfstand stellen, um in den kommenden Jahren wieder ihre Eigenkapitalkosten zu verdienen", mahnt Oesterle. Diese lagen zuletzt mit acht bis zwölf Prozent noch oberhalb der branchenweiten Rendite.
"Fokussierte Strategie"
Als mögliche Hebel nennen die Bain-Autoren eine weitere Reduktion der Komplexität in den Banken, eine fortschreitende Technologisierung, ein aktives Bilanzmanagement sowie Investitionen in organisches und anorganisches Wachstum. Den größten Schub verspreche die Erschließung innovativer Geschäftsfelder wie die Tokenisierung sowie eine kommerzielle Beschleunigung im Kerngeschäft. "Nur mit einer neuen fokussierten Strategie können Banken ihre Profitabilität weiter steigern und sich in Wachstumsmärkten behaupten", so Bain-Branchenkenner Sinn. (ert)















