Der US-amerikanische Asset Manager T. Rowe Price und die Großbank Goldman Sachs haben eine Partnerschaft geknüpft, um gemeinsam Investmentstrategien zu entwickeln und zu verkaufen. "Hinter der Zusammenarbeit steht die Idee, die besten Angebote beider Unternehmen herauszugreifen und sie in eine ganze Reihe neuer Produkte und Dienstleistungen einfließen zu lassen", erläuterte Scott Keller, internationaler Vertriebschef von T Rowe Price, im Interview mit FONDS professionell, das in Ausgabe 4/2025 erschienen ist. "Diese sollen von beiden Unternehmen vermarktet werden."

So bringe etwa Goldman Sachs sein Geschäft mit alternativen Anlagen wie Infrastruktur und anderen Privatmarktinvestments ins Spiel. T. Rowe Price wiederum bringe sein Privatkredit-Geschäft der im Jahr 2021 erworbenen Boutique Oak Hill sowie die Expertise bei Aktien, Anleihen und Multi-Asset ein. "Vereint können wir eine größere Bandbreite an neuen Produkten entwickeln, auf den Markt bringen und letztlich mehr Kunden erreichen", sagte Keller. "Und mit Goldman Sachs zusammen erweitern wir unser Angebot noch über die Felder hinaus, die wir bereits dank Oak Hill hinzugewonnen haben."

"Keinerlei Anzeichen"
Die US-Investmentbank hatte im September zudem angekündigt, Aktien von T. Rowe Price im Wert von bis zu einer Milliarde Dollar oder eine Beteiligung in Höhe von bis zu 3,5 Prozent erwerben zu wollen. Eine Übernahme der Fondsgesellschaft durch Goldman Sachs stehe aber nicht an, betonte Keller. "In diese Richtung gibt es derzeit keinerlei Anzeichen." Der amerikanische Asset Manager T. Rowe Price verwaltet ein Vermögen von fast 1,8 Billionen US-Dollar.

Zwischen den Häusern gebe es zudem Überschneidungen. "Aber mit vereinten Kräften haben wir in verschiedenen Bereichen größere Erfolgsaussichten als jeder für sich allein", erläuterte Keller. "Vor allem eröffnet unser Haus der anderen Seite einen großen Absatzkanal." In den USA führe T. Rowe Price ein Direktkundengeschäft rund um die Ruhestandsplanung, das rund 1,3 Millionen Privatanleger umfasse, das Altersvorsorgegeschäft erreiche ein Volumen von gut einer Billion Dollar.


Warum aktive ETFs einen großen Aufwind erfahren und warum T. Rowe Price seine Expertise bei Multi-Asset-Strategien in Europa bislang kaum in den Markt bringt, lesen Sie im vollständigen Interview, das in Ausgabe 4/2025 von FONDS professionell erschienen ist. Angemeldete Leser finden den Artikel auch hier im E-Magazin.


"Die Kooperation zielt bislang allerdings nur auf den amerikanischen und nicht auf den europäischen Markt ab", führte Keller aus. "Doch wie bei jeder guten Kooperation kann hieraus noch mehr wachsen und zur Blüte reifen." Der Leiter des internationalen Vertriebs zeigte sich zudem überzeugt, dass es in der Asset-Management-Branche künftig eher zu Partnerschaften denn zu großen Übernahmen kommen werde. "Ich glaube, dass klassische Fondsgesellschaften, Versicherer, Manager alternativer Investments sowie Anbieter börsengehandelter Produkte und die verschiedenen Vertriebskanäle künftig eher Kooperationen eingehen werden, als Zukäufe zu tätigen."

"Enormer Aufwand bei der Integration"
"Jede Übernahme geht mit einem enormen Aufwand bei der Integration einher", sagte Keller. "Gerade die großen Transaktionen lassen sich nur sehr mühsam mit Erfolg abschließen." Die Unternehmen müssten einen Plan entwerfen, wie man nach der Transaktion ein gemeinsames Geschäft aufsetzt. Zudem könne sich ein Zusammenschluss auf die Firmenkultur auswirken. Knüpfe man hingegen eine Kooperation, ließen sich viele dieser Fragestellungen umgehen. "Es ist eine andere Art, Wachstum anzugehen", meinte Keller. "Ich denke, dies wird die Zukunft der Vermögensverwaltung sein."

Daneben drücke der Aufstieg passiver Investments die Gebühreneinnahmen von aktiven Managern. "Das Wachstum von ETFs hat einen Einfluss auf das Nettomittelaufkommen, insbesondere bei aktiv gemanagten Aktienportfolios", berichtete Keller. "Hier erlitt die gesamte Branche in den vergangenen Jahren Mittelabzüge. Und als einer der großen aktiven Aktienmanager bekommen auch wir das zu spüren."

ETF-Einstieg erwogen
So erwäge T. Rowe Price auch in Europa den Einstieg in das Geschäft mit börsengehandelten Fonds (ETFs). "Im Lauf der Zeit könnten uns ETFs dabei helfen, mit anderen Vertriebskanälen in Kontakt zu treten, mit denen wir heute noch nicht so eingehend zusammenarbeiten, etwa Neobroker oder Robo Advisors", ergänzte Carsten Kutschera, bei T. Rowe Price für Zentraleuropa verantwortlich. "Diese Kanäle räumen einem Asset Manager selten einen Platz im digitalen Regal frei, wenn er keine ETFs im Angebot hat."

"Die drei Buchstaben allein bieten sicher keine magische Lösung für alle Probleme von Anlegern und Anbietern", schränkte Kutschera ein. "Aber unser Haus muss sich weiterentwickeln und attraktive Lösungen in den Vehikeln bieten, die gefragt sind." In den USA führt T. Rowe Price bereits aktive ETFs im Sortiment. "In Europa würden wir sicher nicht zu den ersten Häusern zählen, die aktive ETFs auflegen", so Kutschera. "Wir sind vielleicht nicht die Schnellsten, aber wenn wir etwas angehen, dann auch richtig." (ert)