Die Postbank und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) haben sich am späten Abend des 9. Septembers nicht auf einen Kompromiss bei der Neugestaltung der Tarife für die Beschäftigten der Bank einigen können. Die Gewerkschaft beschloss nach eigenen Angaben das Scheitern der Verhandlungen und plant, eine Urabstimmung über neue Streiks abzuhalten. Hintergrund sei ein nach Verdi-Lesart inakzeptables Angebot, das die Arbeitgeber der "DB Privat- und Firmenkundenbank", so der offizielle Name der Postbank-Organisationsheit, in der gestrigen dritten Verhandlungsrunde vorgelegt haben. 

Demnach sollen die Gehälter der Beschäftigten ab 1. April 2020 um 1,7 Prozent erhöht werden, ab 1. Juli 2021 um 1,0 Prozent und ab 1. Februar 2022 um ein weiteres Prozent. Bei neun Nullmonaten würde dieses Angebot über eine Laufzeit von 36 Monaten eine durchschnittliche jährliche Erhöhung der Gehälter um lediglich ein Prozent bedeuten, rechnet Verdi gegen.

Gewerkschaft möchte Gehaltsplus von sieben Prozent
Die Gewerkschaft fordert indes unter anderem die Erhöhung der Gehälter um sieben Prozent, aber mindestens 200 Euro bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Beschäftigten sollen dabei wählen können, ob sie mehr in der Lohntüte oder mehr Freizeit haben möchten. Des Weiteren fordert Verdi eine Erhöhung der Ausbildungsvergütung um 100 Euro. Für Gewerkschaftsmitglieder werden außerdem – wie Ende vergangenen Jahres generell bereits für alle Beschäftigten der privaten und öffentlichen Banken gefordert – sechs sogenannte "Gesundheits- und Entlastungstage" angemahnt.

"Das ist kein Angebot, über das wir ernsthaft reden können. Die Beschäftigten, die unter schwierigen Bedingungen gute Erträge für das Unternehmen erwirtschaftet haben, fühlen sich provoziert", sagt Verdi-Verhandlungsführer Jan Duscheck. In den Streiks der vergangenen Wochen hätten die Beschäftigten ihre Forderungen an die Arbeitgeber deutlich transportiert. Es sei völlig unverständlich, dass die Arbeitgeber diese Signale nicht verstanden und damit den Abbruch der Verhandlungen sowie eine Urabstimmung provoziert hätten.

Ertragssteigerung bei der Bank
Duscheck wies erneut darauf hin, dass sich die Erträge im Geschäft mit Privat- und Firmenkunden in Deutschland im zweiten Quartal 2019 auf 1,7 Milliarden Euro belaufen würden. Das sei ein Anstieg um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch vor diesem Hintergrund sei das Arbeitgeberangebot, das für die Beschäftigten einen Reallohnverlust bedeuten würde, eine Provokation.

Verhandelt wird für rund 12.000 Beschäftigte bei Teilen der DB Privat- und Firmenkundenbank AG, dem Postbank-Filialvertrieb sowie der BHW-Kreditservice und weiterer Tochterunternehmen (Betriebscenter für Banken, PB Service, PB Direkt, PB Firmenkunden AG). (jb)