Die Asset-Management-Tochter des Versicherungskonzerns Allianz bedarf eines Umbaus, weil sich die Bedürfnisse und Ansprüche der Kunden im Zuge der Niedrigzinsphase umfassend gewandelt haben. Dies sagt Tobias Pross, Vorstandschef von Allianz Global Investors, im Interview mit FONDS professionell. "Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass eine Transformation vonnöten ist", erläutert Pross. "Diese stoßen wir nicht an, weil wir es schick finden."

"Bei einer Transformation geht es um neue Weichenstellungen, nicht nur um kleinere Korrekturen", führt Pross aus, der im Januar die Nachfolge des langjährigen Allianz-GI-Chefs Andreas Utermann angetreten hatte. "Um es mit einem Bild zu beschreiben: Eine Raupe entwickelt sich zu einem Schmetterling. Niemals aber wird ein Schmetterling wieder zu einer Raupe." Die Führungsetage starte also keinen Umbau um seiner selbst willen und kehre das Haus von links nach rechts durch und später vielleicht wieder zurück. "Vielmehr machen wir uns fit für die Zukunft", so Pross.

Vermögen im alternativen Feld verdoppeln
Konkret solle die Investmentplattform in ausgewählten Bereichen gestärkt werden. "Als Erstes sind hier alternative Anlageklassen wie Infrastruktur oder Private Equity zu nennen", erläutert Pross. "Hier wollen wir mittelfristig genauso gut aufgestellt sein wie in den jeweiligen Segmenten für börsennotierte Wertpapiere, also Aktien, Anleihen und Multi-Asset", kündigt der Unternehmenslenker an. Bislang verwaltet die Gesellschaft im alternativen Bereich 77 Milliarden Euro, insgesamt sind es rund 546 Milliarden Euro. "Wenn der Bereich Alternatives in etwa doppelt so groß ist wie heute, dann sind wir ein ganzes Stück weiter", so Pross.


Welche Pläne Allianz Global Investors im Vertrieb verfolgt und warum das Haus keinen Starmanagerkult pflegt, lesen Sie im vollständigen Interview mit Tobias Pross im Heft 4/2020 von FONDS professionell, das in den kommenden Tagen zugestellt wird.


Weitere Themen seien Nachhaltigkeit, die Portfolio- und Risikomanagementberatung, die bei der Einheit Risklab angesiedelt ist, sowie die Digitalisierung der Branche. "Diese reicht von der Kundenbeziehung entlang der ganzen Wertschöpfungskette bis zur Frage, wie wir etwa künstliche Intelligenz und Big Data im Research und im Portfoliomanagement nutzen können", erläutert Pross. Zuletzt gehe es um die Erschließung und den Ausbau neuer Vertriebspartnerschaften.

Passiv schafft Kapitalismus ab
Eine klare Absage erteilt Pross hingegen einer umfassenderen Auflage von passiven Investmentprodukten. "Allianz Global Investors ist und bleibt aktiv", so der Allianz-GI-Boss. "Auch das Thema Private Markets lässt sich nicht passiv anbieten." Die prominentesten Vertreter des Feldes, börsengehandelte Indexfonds (ETFs), verzeichneten in den vergangenen Jahren ein starkes Wachstum. Angesichts des Booms verwies Pross auf die Nachteile dieser Geldanlageform.

"Meine provokante Aussage: Wer nur passiv investiert, der glaubt auch an die Abschaffung des Kapitalismus", sagt Pross. Denn dann wären alle Anleger immer gleich investiert und würden nicht mehr an Ineffizienzen des Marktes glauben. "Die Kernidee passiver Investments ist ja, dass kein Produkt auf dem Planeten besser sein kann", so Pross. Er schränkte aber auch ein: "Verstehen Sie mich nicht falsch: Passive Instrumente ergeben durchaus Sinn." In manchen Nischen lohne es sich nicht, einen aktiven Fonds aufzulegen. Und es gebe Segmente, in denen sich aktive Manager schwertun, den Index zu schlagen. "Man sollte daher weder aktive noch passive Instrumente verteufeln" resümiert der Manager. (ert)