Bei den Managergehältern in deutschen Großunternehmen ist ein Abwärtstrend zu beobachten. Das liegt nicht allein an der Corona-Krise: Bereits vor Ausbruch der Pandemie waren die Vorstandsgehälter gesunken, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Schuld daran waren offenbar die schlechteren Aussichten für die Weltwirtschaft. Konkret verdienten Vorstände von Unternehmen im Dax, MDax und SDax laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY im vergangenen Jahr im Schnitt fast zwei Millionen Euro. Das klingt zwar nach viel. Der Verdienst der Top-Manager lag damit aber rund 4,6 Prozent unter der Summe des Vorjahres. Und: Bereits im Jahr 2018 hatte es Einbußen von durchschnittlich 0,5 Prozent gegeben.

Durch die Corona-Krise dürften sich die Gehaltsaussichten der deutschen Firmenbosse weiter eintrüben. Die Wirtschaftsprüfer von EY gehen davon aus, dass die Spitzenmanager-Gehälter im laufenden Jahr noch stärker fallen als in den Vorjahren. Das liegt vor allem daran, dass variable Vergütungsbestandteile oft wichtiger sind als das Fixgehalt. Boni machen bei Top-Managern inzwischen mehr als die Hälfte der Gesamtvergütung aus – und im laufenden Jahr dürften sie wegen krisenbedingt rückläufiger Umsätze und Gewinne vergleichsweise mager ausfallen.

Frauen verdienen mehr als Männer
Die EY-Studie wirft auch ein Schlaglicht auf die Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern in den Vorständen deutscher Konzerne – und zeigt Überraschendes: Frauen verdienen demnach mehr Geld als Männer. Die Gesamtdirektvergütung weiblicher Vorstandsmitglieder lag in den 30 Dax-Unternehmen zuletzt im Schnitt um 30.000 Euro höher als die Vergütung männlicher Vorstände. Im Mittel verdiente eine Dax-Vorständin im vergangenen Jahr 2,93 Millionen Euro, berichtet die FAZ. Ihr männliches Pendant verdiente dagegen "nur" 2,9 Millionen Euro.

Die Rechnung sieht allerdings anders aus, wenn man die Gehälter der Vorstandsvorsitzenden mit einbezieht und nicht nur die zweite Führungsebene betrachtet. Vorstandschefs bekamen im Schnitt nämlich zuletzt mehr als 5,5 Millionen Euro im Jahr – und sie sind allesamt Männer. Seit Jennifer Morgan nicht mehr den Vorstandsvorsitz bei SAP innehat, wird kein Dax-Konzern mehr von einer Frau geführt. Jedenfalls vorerst: Im kommenden Jahr soll die Spanierin Belén Garijo die Leitung des Pharmaunternehmens Merck übernehmen. (fp)