Die Deutsche Bank gibt sich viel Mühe, um keinen Zweifel daran zu lassen, dass sie aus ihren fragwürdigen Aktivitäten in China gelernt hat. Interne Unterlagen, die der "Süddeutschen Zeitung" und dem WDR vorliegen, wecken nun aber erhebliche Zweifel daran, dass es das Institut mit seinen Bemühungen wirklich ernst meint.

Demnach soll sich ein hochrangiger Mitarbeiter im Rahmen der Affäre um Präsente und andere Gefälligkeiten für chinesische Politiker und deren Angehörige höchst zweifelhaft verhalten haben – und doch innerhalb der Deutschen Bank Karriere gemacht haben. Bis Juli 2019 war er als Organisationschef der Compliance-Abteilung tätig, also ausgerechnet in jener Abteilung, die fragwürdige Aktivitäten eigentlich verhindern soll.

Unter Druck gefühlt
Der betroffene Mitarbeiter soll im Jahr 2005, damals noch Manager in der Strategie-Abteilung, für ein Geschäft in China einen dubiosen Berater verpflichtet haben – entgegen dem ausdrücklichen Rat von Kollegen aus den Abteilungen Recht und Compliance.

In einer Befragung durch externe Anwälte der Kanzlei Allen & Overy im Jahr 2014 sagte der Banker den Medienberichten zufolge, er habe damals nicht allein entschieden. Er räumte aber auch ein, dass er sich unter Druck gefühlt habe und die Informationen über den Berater ihn rückblickend mit Sorge erfüllten.

Strohmann und Schmiergeld?
Zurecht: Wie sich kurz nach Vertragsschluss herausstellte, war der Berater, den die Bank für zwei Millionen Euro verpflichtete, eng mit der Familie des damaligen chinesischen Premiers Wen Jiabao verbunden. Der Berater war offenbar Geschäftsführer einer Diamantenfirma, die der Ehefrau Wens gehörte.

Die Compliance-Abteilung warnte davor, dass der Berater ein Strohmann sein könnte und womöglich Schmiergeld weiterleite. Der Mitarbeiter setzte sich über diese Warnungen hinweg – und wurde später sogar befördert. (fp)