UBS-Vertriebsleiter: "Nicht jedes Thema gehört in einen ETF verpackt"
Der Markt für börsengehandelte Fonds boomt. Immer mehr Akteure drängen in das Feld, zusehends auch aktive Manager. Doch deren Strategien müssen sich erst beweisen, meint Dag Rodewald von der UBS. Zudem erfüllt nicht jeder Anlageansatz die Voraussetzungen, um über einen ETF transportiert zu werden.
Das Geschäft mit börsengehandelten Fonds (ETFs) wächst rasant. Dieser Erfolg lockt zunehmend aktive Manager in das Feld. Doch ein Selbstläufer sind auch aktive ETFs nicht, mahnt Dag Rodewald, Vertriebsleiter für ETFs und Indexfonds in Deutschland und Österreich bei der UBS, im Interview mit FONDS professionell ONLINE. Das Haus ist bereits mit zahlreichen passiven ETFs im Markt vertreten, ergänzt nun aber auch aktive ETFs.
Herr Rodewald, immer mehr Anbieter betreten den ETF-Markt. Viele der Neulinge fokussieren sich auf aktive ETFs. Gibt es noch genug Raum für so viele neue Akteure?
Dag Rodewald: Mittlerweile haben sich mehr als 70 Anbieter im europäischen ETF-Markt etabliert. In der Folge haben die Preise bei Standardindizes wie dem S&P 500 ein sehr niedriges Niveau erreicht. Das lässt sich kaum noch unterbieten. Die wohl einzige Chance für Asset Manager, die jetzt noch den Markt betreten und sich neue Kundensegmente erschließen wollen, eröffnet also nicht der Preis, sondern eine Differenzierung über aktive Strategien.
Werden die vielen Neueinsteiger erfolgreich sein?
Rodewald: Strategien anderer ETF-Anbieter kann ich nicht kommentieren. Bei aktiven ETFs handelt es sich noch um eine junge Disziplin. Ob die Produkte wirklich über verschiedene Marktzyklen hinweg eine Mehrrendite gegenüber den Vergleichsbarometern liefern können, müssen sie noch beweisen. Die Strategien, die das nicht schaffen, werden langfristig sicherlich nicht überleben. Anderen Strategien hingegen wird es womöglich gelingen, nachhaltig eine Mehrrendite zu erzielen. Es bestehen zudem unterschiedliche Schattierungen von aktivem Management. Welche Spielart sich hierbei letztendlich durchsetzt, wird sich im Laufe der Zeit zeigen.
Stößt aktives Management im Mantel eines ETFs an Grenzen?
Rodewald: Grundsätzlich gehört nicht jedes Thema in einen ETF verpackt. Die Grundidee einer Anlagestrategie sollte mit den Prinzipien dieses Formats harmonieren. Die Transparenz muss gegeben sein, ebenso die Handelbarkeit. Das heißt, der dem Vehikel zugrunde liegende Markt sollte liquide sein. Die Differenz zwischen den An- und den Verkaufskursen darf nicht zu weit auseinanderdriften. In einem solchen Fall ergibt die Idee eines jederzeit handelbaren ETFs einfach keinen Sinn. Die Spreads fressen dann schlichtweg die Performance auf.
Ihr Haus hat ebenfalls aktive ETFs aufgelegt, einer davon auf verbriefte Forderungen, sogenannte Collateralized Loan Obligations, kurz CLOs. Ist das ein liquider und transparenter Markt?
Rodewald: Das Thema erscheint sicherlich komplex. Die UBS verfügt jedoch mit der Credit Investment Group über eine Abteilung, die sich seit Jahrzehnten mit diesem Segment beschäftigt. Zudem ist das Marktvolumen bei CLOs groß, die Liquidität ist also gegeben. Hier handelt es sich um eines jener Felder, in denen aktives Management einen Mehrwert stiftet. Denn unsere Experten kennen den Markt in- und auswendig. Sie wissen, wie sie Ineffizienzen nutzen können, etwa zwischen dem Primär- und dem Sekundärmarkt.
Ein Index-Investment kann hier nicht mithalten?
Rodewald: Ein passiver Ansatz ist per Definition an den Index gebunden. Bei thematischen Strategien etwa können sich Probleme offenbaren. Investmentthemen wandeln sich im Laufe der Zeit, ebenso das Universum der Unternehmen, die dem jeweiligen Anlagekonzept entsprechen. Letzten Endes kann sich das Umfeld dahingehend verändern, dass die Titelauswahl eingeschränkt wird. Es könnten auch Chancen verpasst werden, weil Unternehmen noch nicht Teil eines Index sind. Ein starrer Index-Ansatz kann dann in Klumpenrisiken und einer mangelnden Diversifikation münden. In solchen Fällen müssten die Anbieter den Index anpassen. Dabei handelt es sich jedoch um ein aufwendiges Unterfangen. Zudem erwarten Investoren Verlässlichkeit. Sie wünschen nicht, dass alle paar Jahre ein Index verändert wird.
Welche Themen decken Sie noch über aktive ETFs ab?
Rodewald: Der zweite Schwerpunkt liegt auf Staatsanleihen. Hier haben unsere Manager die Freiheit, Anleihen staatsnaher Institutionen, wie der deutschen Förderbank KfW, zu ergänzen. Das ermöglicht einen Renditeaufschlag, ohne die Bonität wesentlich zu verschlechtern. Letztendlich müssen sich Anleger entscheiden, welches Ausmaß an Abweichungen vom Vergleichsbarometer sie tolerieren. Institutionelle Investoren werden meist strikter anhand von Benchmarks gemessen. Anleger aus dem Wholesale- und Retailsegment verfügen dagegen eher über einen größeren Spielraum.
Vielen Dank für das Gespräch. (ert)




Vortrag am FONDS professionell KONGRESS











