Die Führungskräfte deutscher Banken erwarten, dass sich der Konkurrenzkampf im deutschen Privatkundengeschäft verschärft. Dies zeigt eine Umfrage des Center for Financial Studies (CFS) der Goethe-Universität Frankfurt unter Fach- und Führungskräften aus dem Finanzsektor. Demnach ist mit 96 Prozent der Befragten eine überwältigende Mehrheit der Meinung, dass der Wettbewerb im Retailbanking zunimmt.

Dies zieht Folgen für die Institute nach sich. Fast zwei Drittel der Bankmanager rechnen damit, dass die Profitabilität der deutschen Geldhäuser sinken wird. Dies steht im Gegensatz zur bisherigen Entwicklung der generellen Ertragslage deutscher Banken. Denn seit der Zinswende im Jahr 2022 konnten die Institute ihre Profitabilität deutlich steigern.

Neue Konkurrenten
Die sich eintrübende Ertragslage wiederum führt zu einem forcierten Filialabbau, meint fast die Hälfte der Befragten. Die andere Hälfte der Teilnehmer geht davon aus, dass die Schließungen im bisherigen Tempo weitergehen. Der Bundesbank zufolge sank allein 2025 die Zahl der Zweigstellen um sechs Prozent auf 16.799. Im Vorjahr hatte sich der Rückgang noch auf 8,4 Prozent beziffert. 2023 wiederum hatte er bei fünf Prozent gelegen.

Als neue Konkurrenten stehen Fintechs und Neobanken im Fokus. Doch gerade letztgenannte würden sich schwer damit tun, nachhaltig profitabel zu arbeiten, meint Professor Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies. "Eine größere Gefahr für die traditionell marktführenden Sparkassen und Genossenschaftsbanken sehe ich durch den Eintritt von ausländischen Anbietern wie Chase", erläutert Brühl. Chase ist die europäische Direktbankmarke der US-Großbank JP Morgan, die im Mai in Deutschland startete.

Mit Kampfkonditionen
Zudem ist vor einem Jahr die spanische Großbank Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) hierzulande angetreten. Daneben will die französische Großbank Crédit Agricole in Deutschland Einlagen einsammeln und ab Oktober ein Girokonto anbieten. "Ausländische Anbieter haben einen langen Atem und können sich durchaus auch Kampfkonditionen leisten, um Kunden zum Wechsel zu bewegen", argumentiert Finanzprofessor Brühl.

Aus dieser Konstellation sehen die Umfrageteilnehmer einen großen Handlungsbedarf für die Institute erwachsen. Insbesondere bei Sparkassen sowie bei Volks- und Raiffeisenbanken sehen jeweils mehr als die Hälfte der Befragten den größten Anpassungsbedarf. Für die Geschäftsbanken erachtet zudem ein Drittel der Manager den Handlungsbedarf als besonders groß, wobei Mehrfachnennungen möglich waren. (ert)