In Sachen Digitalisierung mangelt es deutschen Banken immer noch an Initiative. Zwei Drittel aller Geldinstitute in Deutschland wollen an ihrem bestehenden Geschäftsmodell festhalten. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der Unternehmensberatung Procedera Consult. Demnach sehen sich nur 44 Prozent aller Umfrageteilnehmer veranlasst, ihre digitalen Angebote auszubauen. An ihrer Veränderungsfähigkeit wollen gerade einmal 38 Prozent der Befragten arbeiten.

Aktuell werkelt nur knapp ein Drittel der Institute an neuen Digitalangeboten. Kaum jede sechste Bank beschäftigt sich mit der Modernisierung des Kernbanksystems. Dabei gilt die veraltete Technik als einer der größten Bremsklötze für die Digitalisierung. "Viele Institute arbeiten mit Behelfslösungen, die um das Kernbanksystem herum aufgebaut werden, um eine digitale Fassade aufzubauen", sagt Gisbert Beckmann, Geschäftsführer von Procedera. 

Bafin ist wichtiger als der Kunde
Den größten Handlungsdruck verspüren die Institute derzeit bei den Kosten. 63 Prozent der Banken wollen weniger Geld für den Betrieb ausgeben. Zwar liegt der Anteil der Institute, die die internen Abläufe weiterentwickeln wollen, mit 69 Prozent relativ hoch. Allzu oft zielen die geplanten Anpassungen jedoch nur darauf ab, günstiger und schneller zu arbeiten. 

Mehr als ein Viertel der befragten Fach- und Führungskräfte bestätige, dass viele Entscheider die Bankenaufsicht Bafin inzwischen als wichtigsten Kunden betrachten. "Der Endkunde genießt immer noch zu selten die höchste Aufmerksamkeit von Bankvorständen", so Beckmann. (fp)