Beim Thema Nachhaltigkeit steht die Fondsbranche noch am Anfang. So beziffert sich in Deutschland der Anteil von ESG-Fonds der strengen Definition des Branchenverbands BVI zufolge auf gerade mal acht Prozent des Gesamtvolumens. In Österreich sind es immerhin zwölf Prozent. Diese Werte sind aber weit entfernt von den Spitzenreitern Schweden mit 28 Prozent oder Belgien, Norwegen und die Niederlande mit 18, 16 und 16 Prozent am gesamten verwalteten Vermögen. Doch die Anbieter sind dabei, ihr Sortiment stärker an ökologischen, sozialen und ethischen Zielen auszurichten. Das zeigt jedenfalls eine Umfrage der Ratinggesellschaft Scope.

Anteil dezidierter Nachhaltigkeitsfonds am Gesamtvermögen

"Das derzeit noch vergleichsweise geringe Angebot an dezidierten Nachhaltigkeitsfonds sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass seitens der Fondsgesellschaften bereits umfangreiche Maßnahmen und Bemühungen umgesetzt wurden, um ihr ESG-Profil zu schärfen und den künftigen Anforderungen gerecht zu werden", sagt Said Yakhloufi, Geschäftsführer von Scope Analysis. Die Agentur befragte in zehn Interviews Asset Manager zu ihren Vorhaben in punkto ESG.

Verweigerer verkaufen
Ein wichtiges Ergebnis der Umfrage ist, dass die Einordnung von Fonds nach bestimmten ESG-Maßstäben nur einen Teil des Bildes zeigt. So lassen sich seit Inkrafttreten der Offenlegungsverordnung Fonds in normale (nach Artikel 6) sowie nachhaltige Produkte (nach Artikel 8 und 9) einsortieren. Wichtiger sei hingegen das Ausmaß, in dem ökologische und soziale Kriterien im Investmentprozess verankert sind, führt Studienautor Yakhloufi aus.

Weiterhin spiele die sogenannte ESG-Stewardship eine große Rolle. Hierbei handelt es sich um die gezielte Einflussnahme auf das Geschäftsgebaren der Unternehmen in punkto Nachhaltigkeitsbelangen. Besonders glaubwürdig sei es, wenn Asset Manager Wertpapiere verkaufen, sollte sich ein Unternehmen dauerhaft querstellen. Solche Verweigerer werfen hiesige Fondsanbieter aber nur selten aus dem Portfolio, zeigt eine gesonderte Auswertung von Scope. Angelsächsische Asset Manager sind eher zu diesem Schritt bereit.

Erfahrung egal
Keine große Rolle spielt hingegen, ob ein Fondsanbieter bereits eine jahrelange Expertise beim Thema ESG vorweisen kann oder nicht. "Auch Asset Manager mit vergleichsweise kurzer ESG-Historie können eine überzeugende ESG-Strategie und -Ausrichtung verfolgen", betont Yakhloufi. Wichtiger für den langfristigen Erfolg bei einer Transformation zu mehr Nachhaltigkeit sei vielmehr der Einklang von ESG-Kriterien und einer guten Wertentwicklung. (ert)