Kein Vermögensverwalter kann es sich heutzutage mehr leisten, auf die Berücksichtigung von Nachhaltigkeits- oder neudeutsch ESG-Aspekten (ökologische, ethische und soziale) zu verzichten – zu wichtig sind sie fürs Neugeschäft. Wie halten es daher also die Mitglieder des deutschen Fondsverbandes BVI mit dem Einschluss von entsprechenden Kriterien in ihre Risikomanagementprozesse? Die überwiegende Mehrheit der Gesellschaften geht das Thema an, wie eine Umfrage des Verbandes unter 61 seiner Mitgliedsunternehmen ergab. Demnach haben 90 bis 95 Prozent der Umfrageteilnehmer bereits mit der Integration der Nachhaltigkeitsrisiken begonnen, wobei rund ein Drittel erst am Anfang steht. Daher haben auch erst zehn Prozent den Prozess bereits abgeschlossen.

Die Umfrage förderte ferner zutage, dass Gefahren hinsichtlich Umwelt und (schlechter) Unternehmensführung bereits umfangreicher in das Risikomanagement integriert sind als soziale Aspekte. Ein Problem, mit dem die  Asset Manager bei der Bewertung von ESG-Risiken kämpfen, sind fehlende Standards und mangelnde Datenqualität sowie deren Verfügbarkeit. Das gilt vor allem für Daten zu Small Caps, Derivaten und illiquiden Vermögenswerten. Ein weiteres Resultat der Umfrage ist, dass die Gesellschaften derzeit am häufigsten Ausschlussverfahren zur Steuerung von Nachhaltigkeitsrisiken nutzen. Anspruchsvollere Ansätze wie Stresstests und Faktormodelle werden bislang eher selten eingesetzt.

Abhilfe nur durch bessere ESG-Reports
"Die Fondswirtschaft kommt gut damit voran, die systematische Steuerung von Nachhaltigkeitsrisiken zum festen Bestandteil des Risikomanagements zu machen, wie von der Bafin und ab August 2022 auch vom EU-Gesetzgeber gefordert", kommentiert BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter die Ergebnisse. Doch bestehen seiner Ansicht nach noch Hürden.

"Vor allem der Mangel an belastbaren ESG-Daten lässt sich nur zum Teil durch interne Ressourcen oder Daten von Drittanbietern ausgleichen. Abhilfe kann nur eine verbesserte Nachhaltigkeitsberichterstattung der Unternehmen durch die EU-Richtlinie CSRD schaffen, die sich gerade im EU-Parlament und im Rat zu verzögern droht", so Richter weiter. "Sollte es so kommen, müssten Fondgesellschaften die Nachhaltigkeitsrisiken noch bis 2025 mithilfe unzureichender und nicht vergleichbarer Daten bewerten. Das würde nicht nur die Qualität des ESG-Risikomanagements beeinträchtigen, sondern auch die Umsetzung von ESG-Anlagestrategien erschweren." (jb)