Die unabhängigen Vermögensverwalter in Deutschland haben 2018 den größten Rückgang der Provisionsüberschüsse seit Jahren erlitten. Das zeigt eine Auswertung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft App Audit. Die Experten betrachteten dabei das sechste Jahr in Folge die Mitglieder des Verbands unabhängiger Vermögensverwalter, die bis Juni die Jahresabschlüsse für 2018 veröffentlicht hatten. Das war bei mehr als 200 Unternehmen der Fall. Wichtige Ergebnisse der Untersuchung finden Sie in den Grafiken oben.

Als Grund für den deutlichen Rückgang machen die App-Audit-Experten die schwache Entwicklung an den Aktienmärkten des Jahres 2018 aus. Die traf allerdings die kleineren Unternehmen weniger stark als die großen. "Innerhalb der zehn größten Unternehmen mussten alle Institute Rückgänge in ihrem Provisionsergebnis hinnehmen bei kontinuierlicher Steigerung der allgemeinen Verwaltungsaufwendungen", beobachtet Jürgen App, Geschäftsführer von App Audit . Die Top-Ten-Geldverwalter hatten in den Vorjahren allerdings auch die höchsten Zuwächse verzeichnet.

Anhaltender Kostendruck
Den Großteil der Erträge wiederum erwirtschaften ohnehin die Top-Adressen der Branche. Bei der Verwaltung besonders großer Vermögen von Privatkunden oder institutionellen Anlegern lassen sich zwar deutlich geringere Provisionssätze erzielen als bei kleineren Retailkunden. "Dieser Effekt wird durch die höheren Volumina in der Regel deutlich überkompensiert", erläutert Wirtschaftsprüfer und Steuerberater App. Allerdings ragen auch einzelne, kleine Anbieter in puncto Rentabilität aus dem Feld heraus. "Dies unterstützt die These, dass gerade auch kleine Institute sehr effizient arbeiten können", so App.

Im Zuge des Rückgangs im Jahr 2018 verschlechterte sich auch das Aufwand-Ertrags-Verhältnis (Cost-Income-Ratio, CIR) der unabhängigen Vermögensverwalter. Die Kennzahl hatte sich in den zurückliegenden Jahren, mit der Ausnahme von 2016, deutlich verbessert und bei den Top-Ten-Adressen im Schnitt 34 Prozent sowie bei der Grundgesamtheit von 50 Prozent Spitzenmarken erreicht. Das Verhältnis verschlechterte sich 2018 aber auf durchschnittlich 47 Prozent bei den größten Adressen und 66 Prozent bei allen Anbietern.

Belastungsprobe
Zum zweiten Mal unterzogen die Wirtschaftsprüfer die Geschäftszahlen der Branche auch einem Stresstest. Dabei entwarfen sie zwei Szenarien, einmal mit einem Rückgang der Provisionserträge um 20 Prozent, im zweiten Szenario um 33 Prozent. Schon im ersten Fall müssten gut 70 Prozent der Anbieter damit rechnen, einen Jahresverlust zu erleiden, so die App-Audit-Analyse. Nur bei 13 Prozent wäre das Eigenkapital aufgebraucht. Die regulatorisch gewünschte Eigenmittelrelation von 25 Prozent würde mehr als ein Drittel der Anbieter unterschreiten.

Im zweiten Szenario würden 86 Prozent der Unternehmen einen Verlust ausweisen, und bei einem Viertel der Anbieter würde das Eigenkapital ins Minus rutschen. Bei fast der Hälfte der Anbieter würde die Eigenmittelrelation unter der Markte von 25 Prozent liegen. Wie sich die unabhängigen Vermögensverwalter in der Coronakrise geschlagen haben, wird sich zwar erst in künftigen App-Audit-Auswertungen zeigen. Die Ergebnisse für 2018 können aber einen Anhaltspunkt für schwache Börsenjahre geben. (ert)