Fahnder haben im Auftrag der Staatsanwaltschaft Köln am Dienstag die Münchner Büros des Vermögensverwalters Blackrock durchsucht. Dies berichten mehrere Medien übereinstimmend unter Berufung auf Insider. Hintergrund sind Ermittlungen zu Cum-Ex-Geschäften.

Der Aufsichtsratschef von Blackrock Deutschland, Friedrich Merz, hat daraufhin eine umfassende Aufklärung des Geschehens angekündigt. Er habe den deutschen Vorstand "angewiesen, mit den Ermittlungsbehörden zusammenzuarbeiten und alle Dokumente auf den Tisch zu legen", sagte der CDU-Politiker. "Es wird hier alles aufgeklärt, und wir werden daran aktiv mitarbeiten", versprach Merz: "Das wird der Vorstand nach meiner Weisung tun."

Milliardenbetrag entgangen
"Blackrock arbeitet in einer laufenden Untersuchung im Zusammenhang mit den Cum-Ex-Transaktionen im Zeitraum 2007 bis 2011 uneingeschränkt mit den Ermittlungsbehörden zusammen", sagte ein Unternehmenssprecher. Die Staatsanwaltschaften München und Köln wollten sich der Nachrichtenagentur Reuters zufolge nicht dazu äußern.

Bei den zur Debatte stehenden Deals handelt es sich um Transaktionen von Aktien mit ("cum") und ohne ("ex") Ausschüttungsanspruch. Dabei wurde die einmal gezahlte Kapitalertragssteuer mehrfach erstattet. Ob dieses Vorgehen illegal war, ist noch nicht abschließend geklärt. Das entsprechende Schlupfloch im Gesetz wurde 2012 gestopft.

Ins öffentliche Interesse gerückt
Durch die Tricksereien sollen allein dem deutschen Fiskus fünf Milliarden Euro an Steuereinnahmen entgangen sein. In allen europäischen Staaten soll ein Schaden von insgesamt 55 Milliarden Euro entstanden sein.

Der weltgrößte Asset Manager ist jüngst ins Blickfeld eines größeren Publikums gerückt, da sein Deutschland-Aufsichtsratschef Merz für den CDU-Parteivorsitz kandidiert. Er würde im Falle eines  Sieges darin Bundeskanzlerin Angela Merkel nachfolgen. Seit 2016 arbeitet Merz für Blackrock – also erst einige Zeit, nachdem die fraglichen Geschäfte stattfanden.

"Vollkommen unmoralisch"
Der ehemalige Unionsfraktionschef sitzt seit 2010 darüber hinaus im Aufsichtsrat des Geldhauses HSBC Trinkaus & Burkhardt, das ebenfalls in Cum-Ex-Deals verstrickt sein soll. "Aktiengeschäfte wie Cum-Ex und Cum-Cum dienen letztlich dazu, die Steuerzahler auszunehmen", sagte Merz vergangene Woche in diesem Zusammenhang der "Süddeutschen Zeitung". Derartige Geschäfte seien "vollkommen unmoralisch", unabhängig von der juristischen Bewertung.

Wenn Merz die Wahl zum Parteivorsitz gewinnt, muss er seinen Posten als Blackrock-Aufseher aufgeben. "Wenn er nicht Vorsitzender der CDU wird, würden wir es sehr begrüßen, wenn er weiterhin mit Blackrock zusammenarbeitet", sagte Konzernchef Larry Fink. Merz soll bislang auch für Blackrock auf dem FONDS professionell KONGRESS Ende Januar in Mannheim auftreten.

Zahlreiche Banken hatten zuvor bereits Besuch von den Behörden, zuletzt etwa die Hamburger Privatbank M.M. Warburg oder die DZ-Bank. Aber auch in den Räumen der Großkanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer suchten die Fahnder nach Material. (ert)