Sakko mit Mao-Kragen statt Jackett, braune Leder-Sneaker statt klassischem Geschäftsschuhwerk - Union-Investment-Chef Hans Joachim Reinke trat in Frankfurt betont leger vor die Presse, um die Jahreszahlen seines Hauses zu präsentieren. Auf Schlips verzichteten er und sein gesamter Vorstand auch – nicht nur wegen Weiberfastnacht, wie es hieß. Die Gelassenheit, die Reinke verbreitet, stützt sich wohl auch auf die bombig guten Zahlen, die der Fondsanbieter der Genossenschaftsbanken in Serie vorlegt.

So erzielte Union Investment im vergangenen Jahr einen Nettoabsatz von 19,4 Milliarden Euro. Die Gesellschaft steigerte das verwaltete Vermögen auf insgesamt 368,2 Milliarden Euro. "Mit Blick auf die gesamte Fondsbranche sind wir mit diesem Ergebnis im Neugeschäft sehr zufrieden", sagte Reinke. Der größere Teil der Mittelzuflüsse entsprang dem institutionellen Bereich mit 11,3 Milliarden Euro. Im Privatkundengeschäft verbuchte der Asset Manager 8,1 Milliarden Euro an Neugeld. Zum Vergleich: Die gesamte deutsche Fondsbrache erzielte dem Branchenverband BVI zufolge in Publikumsfonds 17,5 Milliarden Euro an Netto-Zuflüssen.

Sparpläne bescheren üppige Zuflüsse
An den Schaltern der Volks- und Raiffeisenbanken waren einmal mehr Fondssparpläne ein wesentlicher Wachstumstreiber. 2019 flossen inklusive vermögenswirksamer Leistungen und Altersvorsorge 6,4 Milliarden Euro der Union zu. Das Haus verwaltete per Ende des Jahres in klassischen Fondssparplänen, VL-Verträgen und Riester-Sparplänen 5,2 Millionen Verträge mit einem Gesamtvolumen von 45 Milliarden Euro. Allein Riester-Sparpläne bescherten den Genossen 2019 einen Nettozufluss von 1,2 Milliarden Euro. Die Zahl der Aktiensparpläne verdoppelte sich binnen drei Jahren auf 1,1 Millionen. "Fondssparpläne sind das neue Sparbuch", resümierte Reinke.

Aufgrund der gestiegenen Fondsvolumens kletterte auch das Betriebsergebnis auf 650 Millionen Euro. Darin ist allerdings auch der Erlös aus dem Verkauf der polnischen Tochter TFI in Höhe von 73 Millionen Euro enthalten. "Wir hätten hier erheblich in IT und Personal investieren müssen", erläutert Vorstandsmitglied Alexander Schindler den Schritt. "Demgegenüber standen keine Synergien mit unserer Gruppe."

Die vor 20 Jahren gegründete TIF sei zwar der größte unabhängige Asset Manager in Polen gewesen. Doch das Haus verwalte ausschließlich Zloty-Produkte, die "wir nicht woanders hätten verkaufen können", so Schindler. Zudem seien die Wachstumsperspektiven im Markt durch die größeren, banknahen Konkurrenten begrenzt erschienen. Daher verkaufte das Haus TIF an die Generali.

Kosten reduziert
Den zunehmenden Kostendruck und die forcierte Konsolidierung in der Fondsbranche sieht das Union-Investment-Management dank der Einbindung in den genossenschaftlichen Bankensektor grundsätzlich gelassen. Dennoch wappnet die Führungsspitze das Unternehmen für den Wandel. "Wir haben im hohen zweistelligen Millionenbereich Einsparungen gehoben", berichtete Reinke.

Gegenüber möglichen Zukäufen zeigte sich Reinke aber zurückhaltend. "Das müsste unser Geschäft ergänzen und zu unserer DNA passen. Unsere DNA geben wir nicht auf." Der Einstieg bei Immobilien falle darunter, "denn das Geschäft konnten wir selbst nicht." Die Übernahme der Volksbank Invest Kapitalanlagegesellschaft in Österreich passte auch, "weil wir Genossen sind", so Reinke.

"Österreich macht Spaß"
Das Geschäft in der Alpenrepublik entwickelte sich gut. Das Haus erzielte über seine acht Partnerbanken ein Neugeschäft von 500 Millionen Euro. "Österreich macht Spaß", sagte Reinke. 2015 hatte die deutsche Union 100 Prozent der Anteile an der Volksbank Invest Kapitalanlagegesellschaft übernommen. Das Fondsmanagement wurde abgezogen und die österreichische Gesellschaft zur reinen Vertriebseinheit umgebaut. Der Absatz zog seit der Übernahme deutlich an.

Weiterhin betonte Reinke die Bedeutung von nachhaltigen Investments. "Den konstruktiv-kritischen Dialog nehmen wir sehr ernst", so der Manager. Dies spiele auch langfristig orientierten Investoren in die Hände. Denn die nachhaltige Ausrichtung von Geschäftsmodellen mache Unternehmen weniger anfällig für Risiken. Dies führe wiederum zu besseren Anlageergebnissen. Hier sieht der Vorstandschef sein Haus schon gut aufgestellt. Ihr ESG-Team bauten die Genossen aus, und die Integration entsprechender Analysen in den Anlageprozess schreite voran. (ert)