Der genossenschaftliche Fondsanbieter Union Investment wäre nach Aussage seines Vorstandschefs Hans Joachim Reinke auf ein mögliches Provisionsverbot vorbereitet – auch wenn er sich gegen ein reines Honorarmodell in der Anlageberatung ausspricht.

"Im Koalitionsvertrag ist festgeschrieben, dass es weiterhin ein Nebeneinander von Honorar- und Provisionsberatung geben soll. Ist das Thema damit vom Tisch? Da bin ich eher skeptisch – ich glaube, dass die Diskussion darüber neu aufflammen wird", sagte Reinke im Interview mit FONDS professionell, das in voller Länge in der aktuellen Ausgabe 4/2016 des Magazins erscheint.

"Wir wären auf ein Provisionsverbot vorbereitet"
Der Union-Investment-Chef betonte, seiner Meinung nach sei die Honorarberatung kein Garant für eine bessere Anlageberatung. "Gute und schlechte Berater gibt es in beiden Systemen. Und politisch ist das Vorhaben einer reinen Honorarberatung gescheitert, wie sich am Beispiel Großbritannien zeigt", so Reinke. "Dort wurde vor knapp vier Jahren mit Pauken und Trompeten ein Provisionsverbot eingeführt. Wenn Sie sich heute in offizielle Berichte der Regulierungsbehörde einlesen, erkennen Sie, welches Desaster dort angerichtet wurde."

Zwölf Millionen Briten seien von einer professionellen Finanzberatung faktisch ausgeschlossen, weil sie sich diese nicht mehr leisten könnten oder wollten. "Dennoch: Wir wären auf ein Provisionsverbot vorbereitet, falls es kommen sollte, denn auch wir denken darüber nach, was in fünf Jahren passieren kann", so Reinke.

"Der Berater wird nicht überflüssig werden"
Mit Blick auf die Digitalisierung sagte Reinke, auch in zehn Jahren sei es noch wichtig, dass Berater Kunden auf ihre Geldanlage ansprechen. "Fonds werden nicht gekauft, sondern verkauft. Niemand kommt in die Bank mit dem Wunsch, einen Fonds zu kaufen. Daran wird sich nichts ändern. Darum wird Beratung immer ein zentraler Punkt dafür sein, ob Geldanlage stattfindet oder nicht."

Ob diese Beratung künftig in der Filiale oder online per Video geschehe, sei dahingestellt, aber sie werde zu einem großen Teil nach wie vor von Angesicht zu Angesicht passieren. "Das ist so, weil es sich bei der Geldanlage um ein Vertrauensgut handelt. Online-Shopping funktioniert meist nur mit Erfahrungsgütern: Sie bestellen etwas, es wird geliefert, und das Produkt passt oder auch nicht." Das sei bei der Geldanlage anders, so Reinke. "Eine Altersvorsorge können Sie nicht zigmal ausprobieren, Sie brauchen Vertrauen in das Produkt und in den Berater."

Er sei überzeugt davon, dass die viel beschworene Disruption, bei der analoge Kanäle eins zu eins durch digitale ersetzt werden, bei der Geldanlage nicht in dem Maße stattfinden wird, wie sie beim Girokonto oder dem Ratenkredit bereits zu erleben sei. "Das heißt nicht, dass wir uns nicht trotzdem mit digitalen Lösungen auseinandersetzen müssen", betonte Reinke. "Aber der Berater wird nicht überflüssig werden." (bm)


Im ausführlichen Interview mit FONDS professionell spricht Hans Joachim Reinke auch über die jüngsten Absatzerfolge von Union Investment, die enge Zusammenarbeit mit den Genossenschaftsbanken und die zuletzt enttäuschende Performance einiger Blockbuster-Fonds. Die aktuelle Ausgabe 4/2016 wird Abonnenten dieser Tage zugestellt. Angemeldete FONDS professionell KLUB-Mitglieder können den Beitrag schon jetzt im E-Magazin lesen.