Daten sind der Rohstoff der Zukunft in vielen Branchen, insbesondere auch für Banken und andere Finanzdienstleister. Deren Geschäft verlagert sich immer mehr ins Internet. Daher wird die datengetriebene Kundenansprache mittels "Big Data" immer wichtiger, weshalb mehrere Unternehmen aus dem genossenschaftlichen Finanzverbund rund um das Spitzeninstitut DZ Bank, den IT-Dienstleister Atruvia und den Asset Manager Union Investment eine eigene Firma dafür gegründet haben. Das berichtet das "Handelsblatt". Insgesamt seien mehr als 20 Millionen Euro in das noch namenlose Unternehmen investiert worden, das wegen Datenschutzfragen noch nicht richtig durchstarten kann.

Hans Joachim Reinke, Chef der genossenschaftlichen Fondsgesellschaft Union Investment, sagte laut der Wirtschaftszeitung, dass die Kernidee sei, "dass wir auf intelligente Weise im Dialog mit den Kunden bleiben, zunehmend digital". Einige deutsche Geldhäuser werten auch bereits Zahlungsverkehrsdaten aus. Im Gegensatz zu den Mitbewerbern sucht die genossenschaftliche Finanzgruppe mit ihrem "Smart-Data-Projekt" die Öffentlichkeit – und muss sich öffentlicher Kritik stellen, so das "Handelsblatt": Im September hatte die niedersächsische Landesdatenschutzbeauftragte Barbara Thiel 90 Genossenschaftsbanken gewarnt, Kundenprofile für Werbezwecke zu erstellen. Zuvor hatte die Behörde eine Pilotbank überprüft, die "Smart-Data-Verfahren" testet.

Sammlung mancher Daten als rechtswidrig kritisiert
Die Behörde kritisiere, dass für die Berechnung, ob jemand Interesse an einem Ratenkredit hat, Zahlungsverkehrsdaten und Daten externer Dienstleister zum Wohnumfeld genutzt wurden, so das Blatt. Ihrer Einschätzung nach sei diese Datenverarbeitung rechtswidrig. Sie könne "weder über eine Abwägung der Interessen von Bank und betroffener Person noch über die verwendeten Einwilligungsformulare gerechtfertigt werden". Die Berliner Datenschutzbehörde teile diese Bedenken. Der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) führe daher "einen konstruktiven Dialog" mit den Datenschutzaufsichtsbehörden. "Die Gespräche sind noch nicht abgeschlossen."

"Erst wenn dieses Thema gelöst ist, können wir das volle Potenzial angehen", lässt sich Ulrich Coenen, Co-Vorstandssprecher von Atruvia, von der Wirtschaftszeitung zitieren. "Der technische Fortschritt ermöglicht eine bessere Produktanpassung an die Kundenwünsche. Inwieweit bisher akzeptierte Rechtsgrundlagen deswegen ebenfalls erweitert werden müssen, ist umstritten." So nutze auch die neue Firma einige Methoden der Datenmodellierung, über die die genossenschaftliche Finanzgruppe mit den Datenschützern diskutiert. "Aus unserer Sicht können wir die Daten sammeln und auswerten, wenn wir den Kunden erklären, wofür wir die Daten erheben und welchen Vorteil wir für die Kunden sehen. Das entspricht unserer Meinung nach der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO)", erklärt Coenen die Position der genossenschaftlichen Finanzgruppe. (jb)