Wann ist es Zeit, bei einer Quartalskonferenz den Stecker zu ziehen? Nach etwa 45 Minuten, meint Vonovia. Genau das bringt Deutschlands größten börsennotierten Wohnimmobilienkonzern nun in die Kritik: Ein Minderheitsaktionär wirft dem Unternehmen vor, Fragen zu begrenzen und kritische Analysten außen vor zu lassen.

Während einer Telefonkonferenz am 7. Mai beantworteten Vonovia-Manager Fragen von rund einem halben Dutzend Analysten, beendeten die Runde jedoch, obwohl weitere Teilnehmer noch auf Wortmeldungen warteten – darunter Vertreter von Barclays und Bank of America.

Eine Vonovia-Sprecherin verteidigte das Vorgehen. Man habe von Investoren ausdrücklich Unterstützung erhalten, Telefonkonferenzen stärker zu fokussieren, da sich wiederholende Fragen die Dauer unnötig verlängern könnten.

"Analysten die Möglichkeit zu verwehren, Fragen zu stellen, kommt restriktiver Kommunikation gleich", sagte Marcus Phayre-Mudge, Fondsmanager bei der britischen Investmentgesellschaft TR Property Investment Trust. "Das weckt bei Investoren die Sorge, dass die vom Unternehmen bereitgestellten Informationen einer angemessenen und höflichen Überprüfung nicht standhalten." TR Property hält 1,38 Millionen Vonovia-Aktien, was etwa 0,16 Prozent des Eigenkapitals entspricht.

Streit um Apollo-Transaktion
Im Mittelpunkt der Kritik steht eine umstrittene Transaktion aus dem Jahr 2023. Damals hatte der frühere Vorstandschef Rolf Buch auf dem Höhepunkt der europäischen Immobilienkrise den strukturierten Verkauf einer Minderheitsbeteiligung an einem Wohnungsportfolio an Apollo Global Management vereinbart.

Ziel war es, Investoren zu zeigen, dass Schuldenabbau möglich ist, ohne Immobilien zu Schleuderpreisen verkaufen zu müssen. Einige Analysten kritisierten jedoch die Struktur der Transaktion. Ihrer Ansicht nach sicherte sie Apollo einen Großteil der Einnahmen bei vergleichsweise geringen Kosten, wodurch der tatsächliche Abschlag höher ausgefallen sei als von Vonovia dargestellt.

Scharfe Wortwechsel mit Analysten
Am 19. März war die Vonovia-Aktie um zwölf Prozent eingebrochen, nachdem Vorstandschef Luka Mucic die Jahreszahlen vorgestellt und Änderungen an zentralen Leistungskennzahlen angekündigt hatte. Die Anpassungen sollten die Interessen von Management und Aktionären stärker in Einklang bringen.

In der anschließenden Telefonkonferenz kam es zu scharfen Wortwechseln zwischen Analysten und Management. Barclays-Analyst Paul May hinterfragte laut Transkript die "verwässernde" Wirkung der Vermögensverkäufe und sprach von einer möglichen "signifikanten Fehlanpassung zwischen Management-KPIs und Aktionärseinkommen oder -gewinnen".

Mucic widersprach und erklärte, die meisten Verkäufe seien nicht nachteilig für die Gewinne der Aktionäre gewesen. "Sie beziehen sich wahrscheinlich auf die strukturierten Transaktionen, die anders geartet waren", so Mucic. "Aber damals waren sie – fairerweise – der beste Weg für das Unternehmen, Eigenkapital aufzunehmen."

Auch Bank-of-America-Analyst Marc Mozzi stellte die Wachstumsziele infrage, obwohl Vonovia Vermögensverkäufe von vier bis sechs Milliarden Euro plant. Mucic entgegnete, niedrigere Zinskosten durch Schuldenabbau sowie Verwaltungsgebühren würden die entgangenen Mieteinnahmen ausgleichen. "Ich würde gerne sagen, dass ich es verstehe, aber tatsächlich bin ich mir nicht sicher, ob ich das nachvollziehen kann", sagte Mozzi. "Es sieht so aus, als befände sich der Aktienkurs in derselben Lage wie ich."

Vonovia verweist auf Transparenz
Die Sprecherin erklärte, Fragen zu KPIs und Gewinnwachstum seien beantwortet worden. Zudem sei das Transkript der Konferenz auf der Website veröffentlicht worden. Weder May noch Mozzi erhielten bei der Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des ersten Quartals am 7. Mai das Wort. Vertreter von Barclays und Bank of America lehnten eine Stellungnahme ab.

"Aktionäre verlassen sich darauf, dass Analysten in einem offenen Forum die technischen und mitunter unbequemen Fragen stellen", erklärte Phayre-Mudge. Diese auszuschließen, "bleibt hinter der Transparenz zurück, die Aktionäre erwarten sollten". (mb/Bloomberg)