Carmignac Gestion sieht sich mit dem schwerwiegenden Vorwurf des Steuerbetrugs konfrontiert. Verschiedene Medien, darunter das "Handelsblatt", berichten unter Bezug auf die französische Tageszeitung "Le Monde", dass die Pariser Finanzstaatsanwaltschaft gegen die Spitze des Unternehmens ermittele. Es geht konkret um die Vergütung der Topmanager, die teilweise in Form von Dividenden in Luxemburg gezahlt wurde. Die Meldung kommt zur Unzeit, da die Gesellschaft ohnehin mit Performanceproblemen bei seinen Flaggschifffonds zu kämpfen hat (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Die Fondsgesellschaft nahm den Berichten zufolge umgehend selbst Stellung und bestreitet alle Vorwürfe. Vielmehr soll es sich um einen komplexen technischen Sachverhalt im Zusammenhang der Mutter-Tochter-Beziehung zwischen dem Pariser Stammhaus und dessen Ableger im Großherzogtum handeln. "Die Interessen unserer Kunden und unserer Partner waren zu keinem Zeitpunkt betroffen", zitiert das Handelsblatt die Fondsboutique. 

Zweifelhafte Steuerabsprachen
Laut "Le Monde" geht es um Vorgänge aus den Jahren 2010 und 2011. Damals lagerte Carmignac Aktivitäten an seine Luxemburger Tochter aus. Das Fürstentum ist bekannt dafür, steuerschonende Absprachen mit Unternehmen zu treffen.

Den Berichten zufolge soll Carmignac solche Absprachen getroffen haben, um seine Führungskräfte möglichst steueroptimierend entlohnen zu können. Der französische Fiskus verlange daher von der Fondsgesellschaft nun eine saftige Nachzahlung. Diese habe Carmignac jedoch bereits geleistet – die entsprechende Information aus "Le Monde" sei auch dem Handelsblatt bestätigt worden, schreiben die Düsseldorfer Redakteuere. Allerdings habe die Boutique den Schritt nur unter "Protest und unter Wahrung ihrer Rechte" getan.

Die französische Finanzstaatsanwaltschaft wiederum hat offenbar wegen des ewigen Hin und Hers um die Nachzahlung die Geduld verloren und spricht nicht länger von" interpretierbaren Vorgängen", sondern von Betrug. In dem Zusammenhang würden mittlerweile auch Gespräche zwischen der französischen und der Luxemburger Verwaltung über die umstrittenen Steuerabsprachen geführt. (jb)