Die unabhängigen Vermögensverwalter in Deutschland konnten ihre Provisionsüberschüsse 2017 um 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern. Dies zeigt eine Auswertung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft App Audit. Die Experten betrachteten dabei die Mitglieder des Verbands unabhängiger Vermögensverwalter, die bis Juni die Jahresabschlüsse für 2017 veröffentlicht hatten, was bei 200 Unternehmen der Fall war. Wichtige Ergebnisse der Untersuchung finden Sie in den Grafiken oben.

Besonders die großen Adressen verzeichneten ein exorbitantes Wachstum. Ein erheblicher Teil der Steigerung entfällt  auf die zehn Top-Anbieter im deutschen Vermögensverwaltungsmarkt. In dieser Spitzengruppe konnte nur ein Haus seine Ertragslage gegenüber dem Vorjahr nicht verbessern. Die obere Liga erwirtschaftet auch den Großteil der Erträge. Dies zeigt, dass ein hohes Anlagevolumen die meist geringeren Provisionssätze bei der Betreuung von großen oder institutionellen Vermögen mehr als ausgleicht. Die großen Anbieter fahren also Skaleneffekte ein.

Provisionen steigen, Kosten aber auch
"Konträr zu diesem generellen Trend gibt es allerdings auch bei kleineren Marktteilnehmern einzelne, sich sehr positiv entwickelnde Adressen", schränkt Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Jürgen App, Geschäftsführer von App Audit, ein. Bei verschiedenen Kennzahlen wie der Umsatzrentabilität zeige sich, dass auch einzelne kleine Anbieter teilweise überdurchschnittliche Werte aufweisen. "Dies unterstützt die These, dass gerade auch kleine Institute sehr effizient arbeiten können", so App.

Große Unterschiede bemerken die Experten bei den Kosten. Das Aufwand-Ertrags-Verhältnis (Cost-Income-Ratio) hatte sich im Branchenschnitt 2016 gegen den Trend verschlechtert. Im Folgejahr knüpfte der Wert an die frühere Entwicklung aber wieder an und verbesserte sich. Ausschlaggebend dafür waren den Wirtschaftsprüfern zufolge die gestiegenen Provisionserlöse, die die ebenfalls höheren allgemeinen Verwaltungsaufwendungen mehr als ausglichen. Die Branchenkenner von App Audi durchleuchteten nunmehr zum fünften Mal die Abschlüsse der Vermögensverwalter.

Eigenmittel im Krisenfall aufgezehrt
Erstmals klopfen die Experten in einem Stresstest ab, wie sich die Finanzkennzahlen der Branche in Krisenszenarien entwickeln würden. Dazu nehmen die Wirtschaftsprüfer im ersten Szenario einen Rückgang der Provisionserlöse um ein Fünftel an. In diesem Fall würden 70 Prozent der 200 Unternehmen einen Jahresverlust einfahren und bei acht Prozent der Anbieter wäre gar das Eigenkapital aufgezehrt. Immerhin die Hälfte der Akteure müsste Maßnahmen ergreifen, um die regulatorisch geforderte Eigenkapitalquote von 25 Prozent einzuhalten.

Im zweiten Krisenszenario gehen die Prüfer von einer Erlöserosion um ein Drittel aus. Dann würden sogar 84 Prozent der Vermögensverwalter Verluste schreiben und bei einem Viertel wäre das Eigenkapital aufgezehrt. Gut zwei Drittel der Gesellschaften müssten zudem ihre Eigenkapitalquote stützten. In beiden Stresstest-Szenarien wären vor allem kleinere Unternehmen am stärksten vom Eigenmittelschwund betroffen. (ert)