In der Corona-Pandemie ist die Zahl der Betrugsfälle in der Assekuranz deutlich gestiegen, meldet der deutsche Branchenprimus, die Allianz. Sowohl Unternehmen als auch Privatkunden machten häufiger falsche Angaben gegenüber Versicherern. Insgesamt kletterte die Zahl der Betrugsversuche seit Beginn der Coronakrise um zehn Prozent. So meldeten Firmen beispielsweise 25 Prozent mehr Leitungswasserschäden und durch Wasser zerstörte Saisonware – längst nicht immer zu Recht. Die digitale Technik eröffne Betrügern völlig neue Möglichkeiten der Schadenmanipulation, sagt Jochen Haug, Schaden-Vorstand der Allianz.

Durch den Einsatz von Photoshop und anderer Software oder den digitalen Identitätsmissbrauch würden Schäden konstruiert, die es in der Realität so nie gegeben hat. Vor allem im Kfz-Bereich komme das immer häufiger vor: "Früher wurden die Fahrzeuge tatsächlich beschädigt“, sagt Allianz-Manager Haug im "Handelsblatt". Heute sei es dagegen eher so, dass die Schäden virtuell durch passende Bildbearbeitungsprogramme künstlich geschaffen würden. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen, prophezeit Haug: "Das Betrugsgeschehen wird sich immer mehr in den virtuellen Raum verlagern." Bei Deutschlands größtem Versicherer geht man davon aus, dass durch die zunehmende Digitalisierung bis zum Jahr 2030 jeder fünfte Versicherungsbetrug virtuell stattfindet. Versicherer müssen sich stärker mit diesem Trend auseinandersetzen und Spezialisten beschäftigen, die moderne Betrugsmethoden entlarven können, sagt Haug.

Null Toleranz für Kriminelle
Der Branchenverband GDV schätzt den deutschlandweiten Schaden durch Versicherungsbetrug auf rund fünf Milliarden Euro pro Jahr. Durch die digitalen Möglichkeiten und die Anonymität des Internets würden unehrliche Kunden  eher zum Schummeln verführt, ist Haug überzeugt. "Doch Versicherungsbetrug ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat, und wir gehen mit einer Null-Toleranz-Strategie gegen Betrüger vor", betont er. Betrug schädige nicht nur die Versicherer selbst, sondern auch ehrliche Kunden, die durch ihre Beiträge die Betrüger mitfinanzieren. "Bis auf ganz wenige Ausnahmen sind unsere Kunden ehrlich", sagt Haug. "Und die ehrlichen Kunden erwarten eine funktionierende Betrugsabwehr."

Die fortschreitende Digitalisierung nützt auch den konzerneigenen Detektiven. Bei fingierten Autounfällen etwa kann das Auto selbst helfen, potenzielle Betrüger zu überführen. "Moderne Fahrzeuge sind mit einem Event Data Recorder ausgestattet“, sagt Christoph Lauterwasser, der Geschäftsführer des Allianz Zentrums für Technik, gegenüber dem "Handelsblatt". So lasse sich beispielsweise herausfinden, ob ein Autofahrer absichtlich Gas gegeben hat, um eine Kollision mutwillig herbeizuführen. (fp/ps)