Vodafone hat in Deutschland ein neues Geschäftsfeld entdeckt. Der Mobilfunk-und Festnetzanbieter bietet nun auch Autoversicherungen an und kooperiert hierfür mit dem Berliner Digitalversicherer Emil. Eine Besonderheit: Bevor Kunden über Vodafone eine Kfz-Police bei Emil abschließen, prüft die Telefongesellschaft ihr Fahrverhalten. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ).

Versicherungswillige müssen bei Vodafone eine Anwendung, Neudeutsch "App", anfordern und erhalten eine Einladung, diese auf dem eigenen Smartphone zu installieren. Die App zeichnet dann mittels der Sensoren des Handys in den folgenden zwei Wochen oder über 250 Kilometer das Fahrverhalten der Person auf. Die "Automotive-Gruppe" von Vodafone wertet die Daten schließlich aus.

20 Prozent Rabatt
Wenn die Person defensiv gefahren ist und das Handy während der Fahrt nicht benutzte, bekommt sie entsprechend einen günstigeren Tarif von Emil angeboten – über Vodafone, das dafür von dem Start-up eine Provision erhalte. Der Rabatt kann bis zu 20 Prozent betragen, weiß die Zeitung. Hat der Kunde dann aber einen Vertrag mit Emil abgeschlossen, wird sein Fahrverhalten nicht weiter überprüft. Er zahlt nur für die tatsächlich zurückgelegten Kilometer plus eine Grundgebühr von monatlich fünf Euro. 

Chance für Emil?
Für klassiche Versicherer ist der Schritt von Vodafone keine gute Nachricht, so die SZ. Schließlich verlieren sie immer mehr den Kontakt zu den Kunden. Den hält in dem Fall die Telefongesellschaft. Auch Autohersteller und Automobilclubs machen den Kfz-Versicherern in dieser Hinsicht das Leben schwer. 

Für Emil, bei dem es sich um einen sogenannten Assekuradeur handelt und der mit der Gothaer Versicherung als Risikoträger kooperiert, ist die Zusammenarbeit dagegen wohl ein Glücksgriff. Auf diese Weise dürfte das erst 2018 gegründete Unternehmen an viele Neukunden kommen.

Pay-as-you-Drive
In anderen Ländern ist Vodafone bereits auf dem Versicherungsmarkt tätig. In Spanien etwa vereinbarte die Firma 2018 mit dem Versicherer Generali España ein Telematikprojekt. In den Niederlanden betreiben Vodafone und der Versicherer Nationale Nederlanden laut der SZ seit 2017 den Autoversicherer Bundelz, der Wenigfahrern ein Spezialangebot mache: Kunden zahlen keine jährliche oder monatliche Prämie, sondern kaufen im Voraus über die Vodafone-App die Versicherung für jeweils nächsten 1.000 Kilometer. (jb)