Volksbank-Chef: "Aktivitäten einzelner" dürfen Gruppe nicht belasten
Die Berliner Volksbank integriert die ABK, baut Private Banking und Immobilienfinanzierung aus und plant ein Kryptoangebot. Vorstandschef Carsten Jung fordert zugleich mehr Verantwortung im Genossenschaftssektor.
Der Vorstandschef der Berliner Volksbank, Carsten Jung, findet deutliche Worte zu den jüngsten Stützungsfällen im genossenschaftlichen Sektor. Eine Reihe von Instituten musste von der Solidargemeinschaft abgeschirmt werden. Bei den Stützungsfällen hat Jung zufolge vielleicht das System von Checks und Balances nicht ausreichend funktioniert. Auch der Ausbau von Geschäften könnte seiner Meinung nach eine Rolle gespielt haben, teilweise außerhalb des eigenen Marktgebietes.
"Grundsätzlich blicke ich kritisch auf die Entwicklungen. Aktivitäten einzelner dürfen nicht zu Lasten der Solidargemeinschaft gehen", sagte Jung. Er lobte die beschlossenen Reformen im Sektor. "Es wurden die richtigen Schlüsse gezogen – und falls das nicht ausreicht, muss vielleicht noch einmal nachjustiert werden."
ABK-Integration vor dem Abschluss
Unterdessen steht die Berliner Volksbank vor dem Abschluss der Integration der übernommenen ABK Allgemeine Beamten Bank und will weiterhin an einer Zwei-Marken-Strategie festhalten. Das hat Jung in einem Interview mit "Bloomberg" bekräftigt.
In diesem Monat soll "die ABK mit ihren IT-Systemen auf die Plattform der Atruvia" wechseln, sagte Jung. Die Atruvia ist der zentrale IT-Dienstleister des Genosektors. "Wir gehen davon aus, dass wir auch die restlichen Integrationsarbeiten bis zum Ende des Jahres abschließen werden."
Die Berliner Volksbank, mit einer Bilanzsumme von rund 20 Milliarden Euro zu Ende 2025 die drittgrößte Genossenschaftsbank in Deutschland, hatte vor mehr als zwei Jahren mit der Ankündigung für Aufsehen gesorgt, die ABK übernehmen zu wollen. Es handelte sich um eine Transaktion über die Grenzen des dreisäuligen deutschen Bankensystems hinweg. Normalerweise finden Zusammenschlüsse nur innerhalb des Sparkassen-, Geno- oder Privatbankensektors statt.
ABK bleibt eigenständige Marke
"Die ABK wird als eigenständige Marke in eigener Rechtsform als Tochter der Berliner Volksbank weitergeführt", sagte Jung. Sie soll weiter Konsumentenkredite und Spareinlagen anbieten. Der vorherige Eigentümer habe bewiesen, dass dieses Geschäftsmodell sehr gut funktioniere. Eine Ausweitung des Produktangebots, etwa auf Girokonten, sei nicht geplant.
"Das Konsumentenkreditgeschäft wächst. Da die Kunden der ABK aus dem öffentlichen Dienst kommen, ist das Ausfallrisiko bei Krediten insgesamt ein Stück niedriger", sagte Jung. "Zudem haben wir nun mit der ABK eine zweite Marke, mit der wir Einlagen am Markt einsammeln können."
Private Banking legt deutlich zu
Wachstum verspricht sich Jung auch aus dem Private Banking, das die Berliner Volksbank mit rund 50 Mitarbeitern und eigenem Asset Management selbst betreibt. Ende 2025 lagen die Assets under Management hier bei 5,7 Milliarden Euro, verglichen mit 4,3 Milliarden Euro zum Ende des Jahres 2022.
Vor ein paar Jahren hatte das Institut das Private Banking und das Corporate Banking näher aneinandergerückt. Die Berater aus beiden Bereichen sitzen an den Standorten jetzt teilweise nebeneinander. "Denn viel Vermögen kommt eben auch von Unternehmern", sagte Jung.
Fokus auf gewerbliche Immobilien
Starkes Wachstum sieht die Berliner Volksbank zudem in der gewerblichen Immobilienfinanzierung. Von den 4,4 Milliarden Euro an Kreditneugeschäft im vergangenen Jahr entfielen rund drei Milliarden Euro auf Gewerbeimmobilien, also gut zwei Drittel. Der weit überwiegende Teil im Kreditbestand kommt aus dem Segment Wohnen.
Dabei waren die Gewerbeimmobilienmärkte vor rund vier Jahren in schwieriges Fahrwasser geraten. Viele Banken mussten hohe Risikovorsorgen bilden. "Wir waren bei der Kreditvergabe immer ein konservatives Haus. Auch als der Markt geglüht hat, haben wir unsere Standards nicht verändert", sagte Jung. "Daher haben wir die Schmerzen, die es am Markt in den vergangenen Jahren gab, direkt selbst nicht erlebt."
Großer Bogen um private Immobilienfinanzierungen
Jung verweist auch darauf, dass er auf regionales Geschäft setzt. Bei der Vergabe von Krediten für Gewerbeimmobilien konzentriere sich die Berliner Volksbank auf Berlin und Brandenburg. In dieser Region gebe es noch viel Potenzial, beispielsweise mit Blick auf den Wohnungsneubau in Berlin.
Einen Bogen macht die Bank hingegen um private Immobilienfinanzierungen unter 750.000 Euro. Solche Kredite bietet sie schon seit Jahren nicht mehr selbst an, sondern ist lediglich als Vermittler an andere Geldhäuser aktiv. Die Bank könne sich das erlauben, weil sie sehr stark in der gewerblichen Immobilienfinanzierung sei, so Jung. Zudem wolle sie den Privatkunden die besten Konditionen am Markt anbieten.
Kryptohandel soll noch 2026 starten
Mit an Bord ist die Berliner Volksbank derweil bei der genossenschaftlichen Lösung, über die Privatkunden der Handel von Kryptowährungen angeboten wird. Jede Bank in der Gruppe entscheidet selbst, ob sie mitmacht. Jung zufolge wird die Berliner Volksbank das Angebot wohl noch dieses Jahr freischalten.
"Das gehört zum Leistungsspektrum einer modernen Bank dazu", sagte Jung. "Ich hoffe, dass möglichst viele Kollegen aus der Gruppe mitmachen, damit wir einheitlich mit diesem Produkt am Markt auftreten." Zugleich habe er aber auch den Eindruck, dass der Hype um Kryptowährungen etwas nachgelassen habe.
Die beiden größten Genossenschaftsbanken vor der Berliner Volksbank waren Ende 2025 die Deutsche Apotheker- und Ärztebank sowie die BBBank, die allerdings beide bundesweit tätig sind. (mb/Bloomberg)















