16 Banken verlangen von privaten Kunden inzwischen Negativzinsen oder "Verwahrentgelte" auf Einlagen und Guthaben. Sie leiten damit jene 0,4 Prozent an Kunden weiter, die die Europäische Zentralbank (EZB) von den Instituten fordert, wenn diese Gelder bei ihr parken. Zuletzt machte die Hamburger Sparkasse (Haspa), die größte ihrer Art in Deutschland, Schlagzeile mit der Ankündigung, sich bei hier einzureihen.

Reiner Brüggestrat, Chef der Hamburger Volksbank, hat den Schritt des Mitbewerbers vor der Haustür in einem Interview mit dem "Hamburger Abendblatt" ungewohnt scharf kritisiert – und berichtet, weshalb seine Bank diese Zinsen wieder abgeschafft hat.

Der Bankenvorstand rügt vor allem den Zeitpunkt der Entscheidung der Haspa. Die Bankenbranche gehe zum einen unisono davon aus, dass die Negativzinsen der EZB bald Geschichte sein werden. Zum anderen bezeichnet er den Haspa-Negativzins als problematisches Signal an die Anleger: "Die negative Stimmung in der Bevölkerung gegenüber der EZB wird durch diesen Schritt unnötig verstärkt", zitiert die Zeitung Brüggestrat. Wenn die Haspa jetzt noch Strafzinsen mit dem Verweis auf die Zinspolitik der EZB an ihre Kunden einführe, schade sie damit auch der europäischen Idee, die ja ohnehin von immer mehr Menschen infrage gestellt wird. "Das können wir derzeit nicht gebrauchen."

"Erzieherische Maßnahme"
Seine Bank hatte ähnliche Extragebühren im Februar 2017 für Kundeneinlagen oberhalb von 500.000 Euro eingeführt. Der Schritt sei eine "erzieherische Maßnahme" gewesen, der aber nur 150 Privatkunden getroffen habe: "Wir wollten unseren Kunden damit signalisieren, dass ein Tagesgeldkonto nicht mehr zeitgemäß ist. Um eine Rendite zu erwirtschaften, sollten sie sich Alternativen suchen", sagt Brüggestrat dem Abendblatt. Das haben die Kunden größtenteils gemacht und etwa in Aktienfonds investiert. Lediglich ein Viertel sei zu einer anderen Bank gewechselt.

Bald darauf war der Negativzins bei der Hamburger Volksbank obsolet: "Ende 2017 hatten wir mit allen Kunden gesprochen, und das Problem war für uns erledigt. Heute gehen wir proaktiv auf Kunden zu, die einen besonders großen Betrag auf dem Tagesgeldkonto haben und versuchen sie von Alternativen zu überzeugen – damit sind wir sehr erfolgreich", berichtet der Bankenchef. Zudem habe man gelernt, mit den Einlagen so umzugehen, dass sich die Zinszahlungen an die EZB in Grenzen halten. (jb)