Die 227 Volks- und Raiffeisenbanken in Bayern werden von der großen Mehrheit ihrer Privatkunden auch in Zukunft keine Negativzinsen verlangen. Das sagte Jürgen Gros, Chef des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB), am Dienstag (10.3.), wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtet. 

Derzeit seien nur 0,5 Prozent der Privatkunden von Negativzinsen betroffen, wie der Verband hochrechnete. Zwei Drittel der bayerischen Genossenschaftsbanken hätten bisher überhaupt keine derartigen Entgelte für Privatkunden eingeführt, obwohl die Institute selbst für Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) 0,5 Prozent abführen müssen. 

Zwei Millionen Euro aus Strafzinsen eingenommen
Das verbleibende Drittel der Häuser verlange lediglich von vermögende Kunden mit großen Guthaben die auch "Verwahrentgelte" genannten Extra-Zinsen. Durchschnittsguthaben von weniger als 20.000 Euro sind nach Gros' Worten weit unterhalb der Summe, bei der die VR-Banken über Strafzinsen nachdenken.

Die Entgelte spülten den bayerischen Häusern 2019 übrigens etwa zwei Millionen Euro pro Jahr zusätzlich in die Kassen. Gleichzeitig haben sie Privatkunden allerdings 209 Millionen Euro an Zinserträgen gutgeschrieben. "Das zeigt in der Summe, dass die Betroffenheit der Privatanleger von Negativzinsen längst nicht so groß ist, wie es manchmal den Anschein hat“, betont Gros gegenüber der SZ.

Keine Probleme wegen Corona
Der maßgeblich durch die Nullzinspolitik der EZB und verschärfte Bankenregulierung verursachte Kostendruck führe aber dazu, dass die Zahl der Volks- und Raiffeisenbanken stetig schrumpft, weil kleine Häuser fusionieren. Ende 2019 gab es noch 227 Genossenschaftsinstitute in Bayern. Gros geht der SZ zufolge davon aus, dass es Mitte dieses Jahrzehnts nur noch 180 sein werden. "Die Zahl der Banken wird kleiner, aber die durchschnittliche Größe wird zunehmen", sagte Gros dazu. (jb)