Die deutschen Genossenschaftsbanken haben für ihr neues Angebot, mobile Kartenzahlungen per iPhone ohne Apple Pay zu ermöglichen, bereits Hunderttausende Kunden gewonnen. Zuletzt gab es in Europa verstärkte Bemühungen, sich von US-Technologiekonzernen unabhängiger zu machen.

Nur wenige Wochen nach dem Start des neuen Angebots beläuft sich die Zahl der Aktivierungen auf rund 500.000, wie Tanja Müller-Ziegler, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), bei einer Veranstaltung am Dienstag (10.3.) in Frankfurt erklärte. Sie verwies darauf, dass dieser Wert noch ganz ohne Werbung für das Angebot erzielt worden sei. Zu den Umsätzen über die neue Bezahlmöglichkeit machte Müller-Ziegler allerdings keine Angaben.

Girocard-Zahlung direkt über die Banking-App
Ganz konkret ermöglichen die Genossenschaftsbanken seit Dezember vergangenen Jahres, mit der Girocard über ihre eigene Banking-App auf dem iPhone zu bezahlen. Apple Pay wird dabei bewusst umgangen.

In der Vergangenheit waren solche Drittanbieterlösungen auf dem iPhone nicht möglich, da Apple das mobile Bezahlen ausschließlich über Apple Pay zuließ. Inzwischen wurde die entsprechende Schnittstelle auf Druck von Regulierungsbehörden auch für konkurrierende Bezahldienste geöffnet. Die Genossenschaftsbanken gehören zu den ersten Instituten, die diese Möglichkeit nutzen.

Debatte über Abhängigkeit von US-Konzernen
Die Einführung erfolgt zu einer Zeit, in der die Spannungen zwischen Europa und den USA wegen der amerikanischen Zollpolitik zugenommen haben. Dadurch ist auch die Frage nach Abhängigkeiten von US-Konzernen stärker in den Fokus gerückt. Ein Vertreter des BVR hatte im vergangenen Jahr in einem Interview mit der Nachrichtenagentur "Bloomberg" erklärt, die Einführung der Bezahlung über die eigene Banking-App – statt über Apple Pay – habe auch etwas mit Souveränität zu tun.

Laut der "Postbank Digitalstudie 2025" nimmt das mobile Bezahlen via App immer weiter zu. Inzwischen wird diese Möglichkeit von mehr als einem Drittel der Deutschen genutzt. Bei jüngeren Menschen sind es demnach sogar fast 60 Prozent. Gründe sind vor allem Einfachheit, Schnelligkeit und ständige Verfügbarkeit des Smartphones.

Ob die deutschen Genossenschaftsbanken künftig auch Kreditkartenzahlungen über ihre eigene App auf dem iPhone ermöglichen wollen, ist derzeit noch unklar. Das sei noch nicht entschieden, erklärte Müller-Ziegler. (mb/Bloomberg)